Leise Wehmut klang in unseren Herzen nach, als unsere Reise, wie sie längst zur Mission erwachsen ist, uns am Međunarodni aerodrom Sarajevo vom süßen Boden Bosnien und Herzegowinas löste. Mit sanfter Hand drückte uns der Schub klimaneutraler Triebwerke in die Sitze unseres yogischen Fliegers. Alsbald schien es, als bewege sich das überflogene Rumänien von uns weg in Richtung Nordwest. Knapp unterhalb seiner Dienstgipfelhöhe von 15000 Fuß hatte unser Gefährt uns schließlich dem Sehnen nach einer freien Welt von gestern längst näher gebracht als einer in Nachtschwärze gehüllten Ukraine, welche weit unter uns vom Morgengrauen träumte.

So waren es auch die Träume, die mich noch einmal im Bosnien und Herzegowina meiner Kindheit weilen ließen. Unterdes ließ der Autopilot uns tapfere Reisende in hohen Lüften über das Altai-Gebirge gleiten, hinweg über das mongolische Dalandsadgad in Richtung China. Nur das Träumen bleibt uns noch im Leben wie in dieser kleinen Fortsetzungsreihe als jene letzte Domäne, welche sich dem zerstörerischen Griff eines repressiven Staates und einer härter werdenden Gesellschaft entzieht.

Wir schauen heute nicht nach Deutschland, dessen unheilvollen Wandel der Journalist Boris Reitschuster auf seiner Website unermüdlich dokumentiert. Vielmehr werden wir erst morgen wieder das heldenhafte Bemühen um Aufklärung durch die Stiftung Corona Ausschuss weiter verfolgen. Heute gestatten wir unseren Herzen einen Reisetag in Japan, dem Land der aufgehenden Sonne. Erneut wollen wir den Tag mit selbstgewählter Ablenkung auskleiden, abermals zwei prima Filme mit Lokalkolorit schauen und natüüürllich lecker landestypisch schlemmen. Sei du liebe Gestalt am anderen Ende des Internet auch heute unsere wohlmeinende Reisebegleitung, koche die Rezepte nach, klick dir die Movies auf deinem Smart-TV, gestatte dir das Träumen.

Oh du fernes und so wundersames 日本 

Angekommen in der Parkposition glimmen sie noch, die Koordinaten 26° 11′ 44.93″ N, 127° 38′ 45.13″ E. Wir sind angekommen. Nach 9450 Flugkilometern begrüßt uns Okinawas Flughafen Naha mit muntrem Wetter und lachender Verheißung ob eines guten Tages. Hier in Japan wollen wir nun ein wenig dem Andersartigem beiwohnen. Erfreuen wir uns des langsameren Erzähltempos japanischer Filme und bestaunen wir die zweifelsohne noch immer beobachtbare Andersartigkeit im Gestus seiner Menschen.

Fraglos ist mein Japan durch die in Büchern und Filmen kunstvoll erzählten Geschichten eines Landes beeinflusst. Dem innewohnend immer das Wissen um Japans in den 1630er Jahren begonnene und über zweihundertjährige Abschottung vom Rest der Welt. Meine erste Japan-Erfahrung war insofern auch eine in den frühen Achtzigern ausgestrahlte Fernsehserie namens „Shogun“ (1980), welche ihre Handlung genau in den drei Jahrzehnten vor der Abschließung Japans findet. Basierend auf einer wahren Geschichte findet sich der seefahrende Protagonist um 1600 an der Küste Japans wieder, erlebt den Kulturschock, wird natürlich eingekerkert und in einer gar unvergesslichen Szene von oben mit besonderem Nass versehen. 😉 Zwanzig Jahre später dann ist der von Richard Chamberlain gespielte John Blackthorne aka „Anjin-san“ selbst Samurai. Auf mich als Kind wirkten die gezeigten Rüstungen der Samurai sehr eindrucksvoll. Insbesondere aber die Mimik Toshiro Mifunes, er beseelte die zweite Hauptfigur Yoshi Toranaga, wusste auf mich Eindruck zu machen.

Nicht lange darauf war Richard Chamberlain abermals im kleinen Röhrenfernseher zu sehen, diesmal aber als Pater Ralph de Bricassart im Epos „Die Dornenvögel“ (1983). Schwer fiel sie mir schon etwas, die Umgewöhnung angesichts seiner Wandlung vom weißhäutigen Samurai zum von der Liebe-die-nicht-sein-darf gequälten Geistlichen. 😉

Erst viel später sollte übrigens klar werden, wessen pochendes schauspielerische Herz die 547 Minuten von „Shogun“ zur Besonderheit machte, nämlich das von Toshiro Mifune. Jener Mifune, wie er auf dem hier abgebildeten 1950er Filmplakat zum Streifen „Skandal“ (1950) zu sehen ist, der Mifune aus „Die sieben Samurai“ (1954) und natürlich aus „Yojimbo – Der Leibwächter“ (1961). Aber am eindruckvollsten geriet mir Mifunes Darstellung im Western „Rivalen unter roter Sonne“ (1971) an der Seite von Charles Bronson. Wieder einmal mimte Mifune einen Samurai, diesmal in einem in der Wüste Spaniens gedrehten Westernfilm. An der Seite eines abgehalfterten Revolverhelden ist es des stolzen Kriegers Bestimmung, das für den US-Präsidenten bestimmte kaiserliche Geschenk den Zugräubern wieder zu entreissen …

Herrje, jetzt hätte sich doch beinahe der rote Faden verloren. 🙂 Jedenfalls waren die Samurai des feudalen Japans, vorzugsweise beschrieben in den Romanen von James Clavell und Marc Olden, Karate, Kendo, Ninjutsu, das Katana, Geishas, unleserliche Gesichter und letztlich Toshiro Mifune die Zeichnung meines Japanbildes. Viel später sollte ich über „Hana-bi“ (1997) zum Genie Takeshi Kitano finden. Der Regisseur, Schauspieler, Moderator, Comedian, Maler und Dichter wusste völlig unbestritten knallharte Yakuzafilme zu machen. Aber in Kitanos Werken schlummert fürs empfängliche Publikum eine andere Erzählebene, immer wieder und sich quasi durch alle Filme bewegend. Die Unfähigkeit nämlich, miteinander zu sprechen. Das Dilemma, durch die kontninuierliche Unterbindung der Äußerung von Gefühlen in unvermeidliche soziale Düsternis zu geraten. Im Grunde bleibt nur Ehrfurcht vor Kitanos Lebenswerk, welches für mein Dafürhalten in der japanischen Behandlung des einen ewigen Menscheitsthemas besteht: der gescheiterten Kommunikation.

Ewigkeit kennt einen Bezug zum Jetzt, eine Verknüpfung zu unserer Situation in diesen Tagen. Allem aktuellen Unbill ist das Scheitern der Kommunikation eine verlässliche Grundlage. Die Politik allein wäre kaum imstande, uns Menschen dauerhaft zu unterdrücken, unsere Kinder ohne unsere Gegenwehr zu quälen, unsere Gesellschaft zu spalten und die Grundlagen von wirtschaftlicher Sicherheit erodieren zu lassen. Vielmehr gerät das Scheitern der Kommunikation unter uns Freunden, Kollegen, Menschen auf der Straße und beim Einkauf zum Ticket in eine Dystopie von morgen. Unser Lächeln wurde uns längst genommen, lassen wir uns nicht der Worte und des gelebten gegenseiten Respekts berauben.

Wenn es im Morgen nur noch Freund und Feind, nur noch Geimpfte und Gefährder geben wird, dann wird alle Kommunikation gescheitert sein. Der Appell kann nur sein, aller politischen Spaltung der Gesellschaft entschieden entgegenzuwirken und das Leben stets in ungezügelter Freiheit zu leben.

Ramen

Wie in den letzten umtriebig-spaßigen Wochen unserer Springerei durch die schöne Welt von gestern findet unsere Heimkehr zur Suppe wieder einmal ihre bedingungslose Fortsetzung! Die Zubereitung von Ramen ist in Japan, wie so viele Tätigkeiten dort, eine dem Diktat der Perfektion verschriebene Kunstform. Für derlei erbsenzählerisch Prätentiöses sind Althoffs schlicht zu westlich.

Nicht von ungefähr haben wir unsere vergebliche Suche nach den speziellen Ramen Nudeln im Supermarkt nicht zu einer Maskenhopserei quer durch Münsters Einzelhandel eskalieren lassen, sondern wir adelten ganz simpel die von unserer Reise nach China zurückgebliebenen Mie-Nudeln. Koche uns mithilfe dieses Rezepts nach, genieße heiße Wonne, rüste dich für einen famos-harmlosen japanischen Hundefilm! 🙂

Wasao (OT: わさお), Japan 2011

Hab Spaß mit diesem von seiner Machart her typisch japanischen Film, welcher auch unter seinem deutschen Verleihtitel „Chiko: Eine Freundschaft fürs Leben“ zu finden ist. Hauptdarsteller ist ohne jeden Zweifel der prächtige weiße Akita Inu. Ein Abkömmling jener Hunderasse, wie sie einzigartig auf der Welt ist. Diese Hunderasse ist alt, sehr alt. Vermutlich gab es die Züchtung Akita schon zwei Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung. Im feudalen Japan gerieten sie zu den Kampfhunden der Samurai, wurden sogar zur Bärenjagd mitgenommen. Also sei nicht ganz ungläubig, wenn die passende Szene in „Wasao“ kommt. Auch wenn der Bär in der gemeinten Szene leicht nach Fake aussehen mag, so wirkt die Prise Grusel und des Veganers Herz liebt übrigens auch den bösen Bären. 😉

Solltest du wie wir schon bei „Hachi: A Dog’s Tale“ (2009) viele Tränen des Mitgefühls und der Gerührtheit vergossen haben, dann wird „Wasao“ auch für dich ein prima passender Film sein. Nebenher gewährt der Streifen zahlreiche Einblicke in japanische Besonderheit mit Bezug auf den Umgang miteinander, die etwas andere Herangehensweise auf den Tod und die Trauer. Der gut zweistündige Streifen wirbt mit der Möglichkeit des Respekts anstelle der Missgunst. Und: Nach diesem Movie möchtest auch du dir einen Akita Inu als Welpen ins Haus holen. 🙂

秋田犬 (Akita Inu)

Ein paar Worte zur Rasse: Druck und Härte wandeln den Charakter eines Akita auf Dauer zur Aggression, das Individuum wird dann potentiell sehr gefährlich. Anders als viele andere große Hunde, vergisst ein Akita nicht. Er verzeiht Druck, Härte oder gar Schläge nicht. Von anderen Hunden erwarten Akita sofortige Unterordnung, sonst reagieren sie naturgemäß mit Aggression. Diese Hunderasse hat einen ausgeprägt starken Jagd- und vor allem Beschützerinstinkt. Akita Inu sind ihrer Genetik wegen außerordentlich stark. Genetische Analysen legten offen, dass dieser sehr alten Züchtung wiederholt der Wolf beigemischt worden ist. Mag das einer der Gründe sein, warum der nicht artgerechte Umgang in unerfahrenen Händen vermieden werden sollte.

Es handelt sich beim Akita also keineswegs um einen Anfängerhund und schon gar nicht um ein Haustier für gering bemessene Freizeit. Hundeschule ist auf jeden Fall Pflicht. Zu berücksichtigen ist auch, dass diese bis zu 70 cm Schulterhöhe und 60 kg Gewicht erreichenden Vierbeiner täglich ein großes Maß an körperlicher Betätigung brauchen. Jeden Tag. 🙂 Wissenswert des Weiteren, und das soll hier sehr tröstlich sein, dass der Akita Inu seine menschliche Bezugsperson selbst aussucht, dieser Person dann aber ein Leben lang verbunden bleibt und sie stets zu beeindrucken sucht.

Mit Wissen, Ruhe, Respekt und Freundschaft behandelte Akita sind edelmütig, sanft, absolut familientauglich, wachsam, charakterstark, intelligent, treu und von unabhängigem Wesen. Ihr Stolz ist ihnen anzusehen und mit weisem Wesen betrachten Akita die sie umgebende Welt stets mit Neugier. Unzweifelhaft sind diese treuen Begleiter der Samurai des feudalen Japans die liebenswerteste Inkarnation Japans.

Raindrop

Du willst die Wahrheit lesen? Stets ohne Schmu der Althoffs Bereitschaft zum Tachelesreden sicher sein? Dann lasse dir sagen, dass uns dieses Raindrop Cake Rezept nicht gelungen ist. Schaut zweifelsohne lustig gut aus, schmeckte uns allerdings gar nicht. 🙂 Nach dem ersten Löffel war hier Schluss. Macht ja nix, auf unserer lustig-verrückten veganen Website gib es reichlich Kuchenrezepte für dich. 🙂

Shoplifters (OT: 万引き家族), Japan 2018

Dieser Streifen ist ganz bestimmt einer der besten japanischen Filme der Neuzeit. Großes Kino am Puls dessen, was im Leben zählt. Eindrucksvoll, bewegend, belustigend und nicht nur einmal verstörend. Blicke auch du auf die tragischen Geschicke einer japanischen Patchworkfamlie der ganz anderen Art und bestaune, dass ein tiefer Ethos auch Ladendiebstahl und Kindesentführung innewohnen kann. Zumindest in „Shoplifters“. 😉

Eine Familie auf engstem Raum, gespeist von Gelegenheitsjobs, Ladendiebstahl, einer Witwenrente und Gemeinschaftssinn. Osamu und Nobuyo sind dem Pragmatismus näher als jeder gesellschaftlichen Konvention. Sie wohnen in Ärmlichkeit, keineswegs aber in Erbärmlichkeit. Mag ein jeder Filmfreund in diesem famosen tragisch-komischen Streifen seine persönliche Botschaft lesen können

Sushi vegan

Sushi meint keineswegs Fisch, sondern vielmehr den gesäurten Reis. Dementsprechend können die Zutaten selbstredend vegan sein. Und so wollen wir es heute halten. Prima leckere Uta Maki mit Gurke, gebackener Süßkartoffel, Sesam, Tofu, Rettich und vielem mehr. Als Beilagen Wasabi, Ingwer, süß marinierter gebackener Seiitan und natürlich Algensalat. Lecker, gesund und prinzipiell leicht. Aber natürlich stellt sich jenseits der 10 Rollenabschnitte eine gewisse Sättigung ein. 😉

Für dich treue wie daheimgebliebene Seele ist Münsters rein veganes Sushi Restaurant Makimaki Sushi Green an der Hammer Straße die Lösung, um an derlei Köstlichkeiten zu gelangen. Anrufen, bestellen, abholen. Dazu etwas Sake oder Pflaumenwein. Was wären wir schon, gerieten wir den schönen Dinge gegenüber nicht aufgeschlossen? 🙂

Nächster Halt unserer Weltreise: Norwegen

Der Freude am Moment schließt sich nun die Vorfreude an, jene erwartungsvollste Facette des Glücks. Zu Recht, will ich meinen. Schließlich ist Norwegen eine würdige Etappe unserer Odyssee durch die wirren Fahrwasser unserer Tage. Haben wir Spaß an einigen gemeinsamen Momenten der Loslösung, genießen wir norwegisch angehauchtes Essen und prima norwegische Filme. Welche im Übrigen erfrischend anders sein können und mit gern unter 90 Minuten keinen Deut länger als nötig geraten. Sofern sie natürlich nicht aus der Hand eines Lars von Trier geraten. 🙂

Nüchtern sieht der vorprogrammierte Autopilot unseres klimaneutralen yogischen Fliegers unser nächstes Ziel, schließlich ist dem Computer der Nimbus seines Zielortes naturgemäß recht egal. Er sieht in den von Okinawa gut 8600 Kilometer entfernten Koordinaten 63° 27′ 27.2″ N, 10° 55′ 27.3″ E einfach nur den Flughafen des Ortes Trondheim. Wir verträumte Gestalten hingegen, wir blicken vielmehr auf einen Zugang zu einer nordischen Besonderheit unserer crazy Weltreise. Ein Land größer als Deutschland, hingegen nur mit einem Fünfzehntel der Einwohnerzahl. Die dort in den Wäldern beheimateten fellbedeckten Humanoiden mit vier Fingern und großer Nase natürlich nicht mitgerechnet. 🙂

Livet er et kort øyeblikk mellom to evigheter. (Übersetzt: Das Leben ist ein kurzer Augenblick
zwischen zwei Ewigkeiten.)

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Du selbst musst der Wandel werden, welchen du in der Welt sehen willst. (Mahatma Gandhi)

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