Ein des Lebens und seiner Schicksalsschläge müder Ort im polnischen Nirgendwo erfuhr Läuterung. Gott hochselbst formte Schuldbekenntnis und Kyrie aus dem Munde eines jungen Pfarrers Tomasz, welcher längst nicht das war, war er zu sein vorgab. Ein wegen seiner zermürbenden wie ziellosen Suche nach der Idealbesetzung für sein Theaterstück müder und am Rande der Aufgabe wandelnder Regisseur erfuhr Läuterung. Abermals Gott hochselbst spielte, verhöhnte und strafte mit den Reizen und der Übermacht einer Femme fatale, welche längst nicht das war, was sie zu sein vorgab. So waren sie, unsere filmischen Freuden letzte Woche in Polen.

Wie in „Corpus Christi“, wie in „Venus im Pelz“, wie gewissermaßen in jedem Aspekt und Moment unseres Lebens lächelt uns das Göttliche an. Zu Erkennen an der geradezu humorvoll geknüpften Verbundenheit aller Dinge. So diente etwa ein polnischer Schneider namens Karol Wojtyla während des Ersten Weltkrieges der Armee Österreich-Ungarns als Unteroffizier. Zu der Zeit war die bosnische Erde, deren Spross ich bin, Teil der österreichisch-Ungarischen Monarchie. Dort, auf diesem Flecken Land, im Jahre 2003 in Banja Luka, sprach der Sohn jenes Schneiders zu den kriegsgebeutelten Menschen meiner Heimat, forderte zum gegenseitigen Verzeihen auf. Dieser Redner war jenes Schneiders Sohn, der Papst Johannes Paul II.!

Alle Zeiten kennen eigene Feinde

Das vom Heiligen Vater der Katholiken in Banja Luka beschworene gegenseitige Verzeihen war adressiert an die Bosnischen Muslime, also an die Überlebenden der serbischen Okkupation. Zugleich schloß es die Kriegsverbrecher und ihre geistigen Unterstützer mit ein. Dieser Appell war ehrbar, doch ließ er die Wunden Bosnien und Herzegowinas bestenfalls verblassen. Die Narben blieben. Noch immer schwelt der Hass. Selbst heute noch wird ein Wiederaufflammen des Bürgerkrieges gefürchtet. Welch ein Schlamassel, welch tiefe Gräben in den Herzen der verschiedenen Volksgruppen. Zurück geht das im Grunde genommen auf unser aller Zügellosigkeit. Ist nämlich das Gegenüber erstmal entmenschlicht, dann wird der unbewusste Geist schnell zügellos. Damals auf dem Balkan fielen die Bosnischen Muslime dieser Opferrolle anheim, sie gerieten zu Feinden. Zunächst wurden sie verlacht, dann entmenschlicht, schließlich bekämpft.

Hierzulande und in den düsteren Jahren der Regentschaft einer NSDAP wütete die Zügellosigkeit ganz ähnlich. Angehörige anderer Religionen, Roma und Sinti, aber auch Homosexuelle und politisch Andersdenkende gerieten in den Augen einer menschenfeindlichen Ideologie zu Feinden. Und wie so oft in der Menschheitsgeschichte wurden die mißliebigen Mitmenschen zunächst verlacht, dann entmenschlicht, schließlich bekämpft.

Allzu schnell vergessen wir die wichtigen Lehren aus der Geschichte. Wussten wir noch vor einem Augenblick, von welcher Wichtigkeit das kritische Bürgertum und der friedfertige Diskurs für die Wahrung einer lebenswerten Gesellschaft sind, so verwundert blicken wir jetzt auf den Gedächtnisverlust. Es scheint so, als reiche ein Jahr aus, um alles Gelernte zu vergessen. Der Blick geht rundum und man kann sich nur die Augen reiben.

Ein jeder unter uns möge in diesen Tagen die Introspektion üben. Das Yoga bezeichnet diese Form des Selbststudiums als Swadhyaya. Wir blicken auf das Gesagte, zurück auf unseren durchlebten Tag und wir berücksichtigen auch die gehabte Ausrichtung unserer Gedanken. Das alles messen wir an unserem höheren Selbst, nach dessen Verwirklichung wir streben. Leben wir diese Bewusstheit auch jetzt. Gerade jetzt.

In Ungarn wissen es die Menschen längst: Barátot szerencse hoz, szükség próbál

Übersetzt in die deutsche Sprache meint das obige ungarische Sprichwort: Glück bringt Freunde, Not stellt sie auf die Probe. Und so weilen wir, in Zeiten der Not. Die Dinge verschlechtern sich. Ein Jahr schon geht es um viele Dinge, in den Augen mancher jedoch keineswegs um die Gesundheit. So betrachtet, nehmen uns die Atemmasken den Atem, sie rauben uns das Lächeln, Kontaktverbote nehmen uns das Menschsein und den Lebenssinn. Aus derlei kritischem Blickwinkel nimmt uns der unablässige Reigen politischer Verbotsdiktate die Freiheit und die Würde. Aus der Brille betrachtet wird etwa auch der Alltag der Schüler in Zeiten des Ausnahmezustands keineswegs als Möglichkeit gefeiert, deren „Resilienz“ zu trainieren. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Mit Bewusstheit wird auf das geblickt, was vielen Vergessenen jetzt bereits widerfährt, was den aktuell Bessergestellten noch als Schicksal droht.

Längst erahnen die Jüngsten wie auch die Älteren die tatsächliche Zukunftslosigkeit. Schulbildung und Studium bauen in normalen Zeiten auf der Hoffnung, in einer prosperierenden Wirtschaft eine Nische für Lebenserwerb und Lebensweg zu finden. Aber das Ende der Wirtschaft kennt keine Abbruchkante, es ist vielmehr eine Abwärtsfahrt auf sanft fallendem Hügel, fast ohne Holpern rutscht es sich hinab ins Tal von Firmenpleiten und Arbeitslosigkeit.

Währenddes passiert im Lande eine große Euphorie. Der Erhalt oder der bevorstehende Erhalt einer vermeintlich lebensrettenden und freiheitsbringenden Spritze eint offenbar eine Mehrheit unter uns. Der Politik wird vertraut, die vielbeschworene „Alternativlosigkeit“ der eingeschlagenen Richtung wird nicht in Abrede gestellt. Der Pharmaindustrie wird vertraut, die Gefahren einer Verabreichung neuer Impfstoffe an bald Milliarden Menschen werden nicht einmal bis übermorgen gedacht. Soll es so sein. Werde dieser Gruppierung alles Gute zuteil.

Die Andersmeinenden hätten in der besten alternativen Version unserer Wirklichkeit schlicht ihren Lebensweg, welchen sie in Ruhe, Gesundheit und dank der wundersamen Zauberkräfte unseres naturgegebenen Immunsystems meistern würden. Tatsächlich wird das nicht gestattet. Politiker wüten aktuell ob der Andersmeinenden, die Presse verunglimpft Kritiker der gegenwärtigen Politik. Die Andersmeinenden werden gar von Spitzenpolitikern verlacht, entmenschlicht und bekämpft. Im Reden da draußen wird bereits die Unterscheidung zwischen Geimpften und Ungeimpften, zwischen Impfwilligen und Impfskeptikern unterschieden. Ja, bereits jetzt passiert das. Und demnächst wird diese Spaltung der Gesellschaft hoheitlich mit „digitalem grünen Impfausweis“ amtlich manifestiert. Dementsprechend zeichnet sich die kommende Ausgrenzung Andersmeinender schon jetzt deutlich ab. Du wirst die Andersmeinenden möglicherweise bald nicht in deinem Urlaubshotel antreffen, nicht im Schuhladen, schlimmstenfalls nicht beim Spazieren im Park. Diese Aussicht erzeugt Not, sehr viel Not. Und Not braucht Freunde.

Melanie und ich haben besonders in dieser Woche einigen Menschen beigestanden, welche in Not sind, welche unter der Situation leiden. Andere wiederum haben ihr Glück darüber zum Ausdruck gebracht, mit uns einfach offen reden zu können, sich mit eigener Sichtweise auf den Zeitgeist bei uns wohlaufgehoben zu fühlen. Dafür bleiben wir dankbar, wir wollen die Charakterprobe in Zeiten der Not bestehen.

Ok Eddi, gib Gas, wir wollen Ungarn

Zurück nun zu unserer Reise hier! Schließlich ist es ja das erklärte Ziel dieser Artikelreihe, dich wohlmeinende Seele auf eine gedankliche Reise zu entführen, von Land zu Land, raus aus dem komischen Alltag. Von landestypischem Mahl zu Mahl, vom zum Land passenden Film zum zweiten Film des jeweiligen Aufenthalts. So wollen wir das beibehalten. Und normalerweise sage ich ein paar Worte zum Land. Nur: Was weiß ich eigentlich über Ungarn?

Eigentlich nüscht. Ja, der Nachbar aus Kindheitstagen, ein Kneipenbesitzer namens Janosch mit ausgeprägter Angelleidenschaft, stammte aus Ungarn. Ja, der spätere Nobelpreisträger John von Neumann, einer der Helden meiner Wissenschaftsliebe, erblickte in Österreich-Ungarn im Jahre 1903 als János Lajos Neumann von Margitta das Licht der Welt. Und ja, auch mein neuer Freund, ein ehemaliger Stuntman, aktueller Taiji/Qi Gong Lehrer und Yogalehrer, kommt aus Ungarn. Wieder einmal macht sich für mich, für uns, ein Land an seinen Menschen fest. Und so ist es immer. Länder und Kulturen sind religionsartige Konstrukte allein in unseren Köpfen. Yuval Noah Harari schrieb reichlich darüber. Schließlich, davon bin ich überzeugt, geht es immer um die Beziehungen zu anderen Menschen. Wir bleiben stets zutiefst soziale Geschöpfe.

Dementsprechend habe ich eigentlich nichts Großartiges über Ungarn zu sagen. Welches Früchtchen das 10 Millionen Einwohner zählende Ungarn zurzeit regiert, wissen wir zur Genüge aus den Nachrichten. Die Flagge ist quasi Italien, nur andersrum. Dass die Ungarn jeden Tag Gulasch essen, das ist allgemein bekannt. Und jetzt weiß ich übrigens auch, dass es aus Ungarn praktisch keine Filme gibt. 🙂

Suppe mit Apfel

Als illustres Mitglied unserer gedanklichen Reisegemeinschaft weißt du längst um den Wert der Suppe! Wer sind wir unwürdigen Sünder, dass wir mit der Tradition brechen wollen? Nix da. Wir bleiben dem Suppenzauber ergeben und wir steigern das Ganze, verheiraten die salzig-heiße Glückseligkeit mit der Lieblichkeit von Obst. Koste auch du mit uns den ersten geschmacklichen Höhepunkt unseres Abstechers nach Ungarn, verfalle auch du diesem prima leckeren Rezept einer ungarischen Apfelsuppe.

Du erinnerst meine Worte ob der humorvoll geknüpften Verbundenheit aller Dinge? Prima! Dann genieße jetzt den Geruch und den Geschmack von Apfel. Er wird nämlich wiederkehren im nächsten Film, jener Moment, in welchem die Protagonistin Martha ihre Wahrnehmung und ihre Suche nach Sinn auf ein Stück Apfel fokussiert.

Pieces of a Woman, Kanada/Ungarn/USA 2020

Martha und Sean erwarten ein Kind. An einem Abend dann passiert sie, die Niederkunft. Wie gewollt, im Rahmen einer Hausgeburt. Was dann am Rande unserer Atemlosigkeit folgt, ist eine Tour de Force durch eine der großen menschlichen Urängste.

Am Ende erinnert sich Martha der Kür des gegenseitigen Verzeihens. Erst ab diesem Moment erleben alle Figuren der Handlung ihre Befreiung, ihre Erlösung. Der Befreiung geht stets das Verzeihen voraus. Im Grunde genommen blicken wir hier auf jene Wahrheit, wie sie auch Johannes Paul II. in Banja Luka meinte.

Es ist ein kleiner Film aus ungarischer Mache und in den USA gedreht. Keine Komödie, beileibe nicht. Trotzdem ist dieser Film spiritueller Sucher Nahrung. Er ist ein kunstvoller Ausdruck der ewigen Bedingtheit von Yin und Yang, von Licht und Schatten. Letztlich bleibt „Pieces of a Woman“ vor allem eine in Bewegtbilder gegossene Ermahnung zum Verzeihen.

Ungarischer Baumkuchen

Jetzt und unstrittig braucht es Zucker, nach Bitterem das Süße. Kein Problem mit Melanies Rezept zum ungarischen Baumkuchen vegan à la gurunest. Fingerfood für Jung und Alt! 😉

Körper und Seele (OT: Testről és lélekről), Ungarn 2017

Der Plot aus der Seelenverwandtschaft zweier Leute sollte eigentlich der Film unserer fortgesetzten Abendgestaltung in Ungarn werden. Aber wie wir in den ersten Minuten sehen konnten, zeichnet die Langsamkeit des Films nicht nur die Figuren mit Geduld. Es zeigt sich nämlich, dass die Story beide Figuren am gemeinsamen Arbeitsplatz zueinanderführt. Ausgerechnet in einer Großschlachterei! Da kommt dann kurz nach Beginn schon diese eine unverständliche Szene, in welcher eine Kuh minutenlang fixiert, getötet und zerteilt wird. Was soll das? Was ein Schund von Film. Wir sind vegan. Wir sind es aus tierethischen Gründen, so etwas kann nicht geschaut werden.

Also kurzfristig umgesattelt. Und ja, wir machen uns des Tabubruchs schuldig. Der eiligst eingeschobene Film ist wiederum, wie schon in der letzten Woche gehabt, in Frankreich gemacht und aus der Hand des polnischen Filmgenies Roman Polanski.

Der Gott des Gemetzels (OT: Carnage), Frankreich 2011

Eine Schlägerei unter Kindern führt zu einem Treffen der Elternpaare Houillé und Reille. Absichtsvoll soll das in der Wohnung der Houillés stattfindende Treffen den vier Erwachsenen eine friedliche Aussöhnung bereiten. Nach dem ausgeuferten Streit der Heranwachsenden will man das Problem selbstverständlich zivilisiert aus der Welt schaffen. Keine 79 Minuten später, am Filmende, haben wir die vielbeschworene dünne Decke der Zivilisation in all ihren schillernden Farben gesehen. Mehr sei nicht verraten, nichts soll deiner Spannung entgegenwirken.

Polanskis Adaption des zugrundeliegenden Theaterstücks nutzt vollumfänglich die Macht der Aufmerksamkeitslenkung mittels Kameraführung. Und lassen wir uns führen, so werden wir eines filmischen Geniestreichs Günstlinge. Notiz am Rande: Im Apartment der Familie Houillé sehen wir Brooklyn, tatsächlich jedoch mussten Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz und John C. Reilly der Dreharbeiten wegen nach Paris reisen. Ja, ganz weit weg von Ungarn, aber gräme dich nicht. Der in diesem Streifen freigestellte und köstlichst portraitierte archaische Kern des Homo sapiens wird dich bei Weitem entschädigen. 😉

Köstliches veganes Gulasch stärkt im Gemetzel

Gulasch essen, aber ohne den Kühen Böses zu wollen? Geht ganz leicht. Dank Melanies feinem Rezept Ungarisches Gulasch vegan à la gurunest tanzt deine Zunge auf ungarischen Aromen, deine Lachfältchen zwinkern in freudiger Ohnmacht dem Höhepunkt unseres Reisetages zu. Ehrlich! 😉

Was bittschön braucht es hier noch Tierleid? Richtig: GAR NICHT. Nicht für den guten Geschmack, nicht fürs Überleben. Hol auch du dir alle Nährstoffe aus der Primärquelle Pflanze. Und lebe mit jedem Bissen, mit jedem Löffel, mit jeder Mahlzeit Mitgefühl mit allen denkenden und fühlenden Lebewesen unserer Welt. Praktiziere allein durch die Wahl der Zusammensetzung deiner Speisen Ahimsa, die Gewaltlosigkeit. Am Ende schließt auch das nicht die Möglichkeit des Scharmützels wie bei den Houillés und Reilles aus, aber wir sind auf dem Pfad der Liebe doch schon ein klein wenig vorangekommen. 🙂

Nächster Halt unserer Weltreise: Bosnien und Herzegowina

Aus Osteuropa wird mit unserer nächsten Station Südosteuropa. Das ländliche Idyll des zwischen Prijedor, Banja Luka und Sanski Most gelegenen Kozarac soll unsere gemarterten Seelen mit ein paar Momenten des Glücks verwöhnen, unsrer Zungen Paradies sein, unsrer Filmleidenschaft mit zwei lokal geprägten prima Movies begegnen.

Folge dem Schreiber dieser Zeilen zu sonnengetränkter bosnischer Erde, dessen Kind er stets bleiben wird. Schmecke vor Knoblauch explodierendes Essen und entfliehe mit uns zu einem Höhepunkt unserer gemeinsamen cineastisch-veganen Weltreise!

Sačuvaj me, Bože, njihove dobrote! (Bedeutung: Bewahre mich Gott, vor Heuchlern, die nur so tun als wären sie gut)

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Du selbst musst der Wandel werden, welchen du in der Welt sehen willst. (Mahatma Gandhi)

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