In rosenfingriger Morgenröte gebettet überflogen unsere tapfren Herzen Bhutan und Tibet. Kommend aus dem Schoße eines wohlmeinenden Indien, erklomm unser klimaneutraler yogischer Flieger bereits im motherland of Yoga das Dach der Welt. Von jenseits unserer Flugzeugfenster fesselte die Magie des Himalaya unsere Blicke. Im sonoren Klangteppich unserer der Flugzeugaggregate wurde währenddes immer deutlicher ein neuer Klang vernehmbar. Einem Flüstern gleich kündeten die heiligen Orte von weit unterhalb leise von allen Wahrheiten. Der Volksrepublik China stetig näher kommend, lauschten wir dankbar jenen Stimmen, wie sie nur am Berührungspunkt zwischen Himmel und Erde zu uns sprechen.

In Zhengzhou gelandet, freuen wir uns abermals über deine Reisebegleitung auf unserer herrlich verrückten gedanklichen Reise in einer Welt voller Einsperrung und gänzlich ohne Reisen. Du und wir haben der besuchten Länder Leckereien zweifelsohne genossen und die filmische Entsprechung unseres jeweiligen Gastgeberlandes mit den üblichen zwei Filmchen geriet stets zum glücklichen Gegenpol von 24/7 tumber Angst und Indoktrination in TV und Internet. Auch heute wollen wir das so handhaben. Fühl dich herzlichst eingeladen, die von uns vorgekosteten veganen Gerichte hübsch nachzukochen und klick dir auf deinem Smart-TV unsere Filmtipps. Wir wollen entscheiden, was unser Denken und Tun ist. So wollen wir leben.

Über die Volksrepublik China 

Unser filmisch-verfressener Törn rund um die Welt begann kultiviert in Frankreich, wurde doch sehr bodenständig in den USA, geriet in Italien sehr eindrucksvoll, rang den griechischen Göttern ein huldvolles Lächeln ab und in Indien schließlich, dort sollte für immer ein Stück unserer spirituellen Herzen zurückbleiben.

Mit der Volksrepublk China ist es für mich insofern eine klare Sache, dass mich allein das kulturelle Erbe dieses riesigen Landes lockt. Seine Gegenwart verstört, sie schreckt mich ab. Des Individuums Freiheit in der Volksrepublik ist von anderer Qualität als mein Ideal vom Leben. Die Gesellschaft ist hart, der Staat repressiv, getreten wird stets nach unten. Nebenher werden Großprojekte und ihre Umsetzung in China stets schnell etabliert, der zentralen Weisung sei Dank. Ob eine Millionenstadt binnen kürzester Zeit aus dem Nichts erwächst oder ob ein innerhalb weniger Jahre zur Normalität erwachsenes Sozialkredit-System, die westlichen Regierungen schauen nur vorgeblich mit mahnendem Finger. Tatsächlich erliegen unsere Politiker gern dem Reiz dieser sprudelnden Quelle von scheinbar nachahmenswerten Ideen.

Kein Überschreiten der Staatsgrenze ohne Bedingungen, kein Passieren ohne triftigem Grund und Erlaubnis. Das Sammeln aller erlangbaren Daten mittels des ständigen Austausches aller Behörden. Sich mit einer App vor Betreten und nach Verlassen eines Geschäfts ein- und ausloggen. Selbiges ist auch für eine profane Feier denkbar. Digitale Nachverfolgbarkeit aller Bewegungen und sämtlicher Kontakte zwischen uns Menschen. Die Erosion der Privatheit, die zur Normalität geratende Offenlegung von Details zur eigenen Gesundheit und zum Impfstatus. Traurigkeit in den Blicken und der monotone Rhythmus aus Arbeit und häuslicher Isolation. Das Befolgen vieler Regeln unter strafenden behördlichen Augen. Und der Grüne Pass kommt. Grün suggeriert Sauberkeit und Gutes. So übersieht man schnell einen weiteren Meilenstein in eine unfreie dystopische Welt aus der Mache von Politikern und merkwürdig unjournalistischen Medien.

Es ist mir eine tiefe Ahnung, dass China solcher Entwicklungen oft genug Pate ist. Früher wurde uns schleichend die Freiheit genommen. Jetzt passiert das massiv, schnell und fortgesetzt. Das Ideal von bürgerlicher Freiheit und Pluralität wurde mithilfe eines besonders effektiven Stemmeisens aufgebrochen, der Angst. Allgemeine Hinnahme und sogar Akzeptanz machen sich breit. Und so meine ich, dass wir ein Stück China auch nach unserer Heimkehr dauerhaft daheim kosten dürfen.

Ähnlich wie bei Indien gerät dergestalt die Retrospektive so viel süßer als die Gegenwart. Die sogenannte TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) fand ihre Anfänge, als unsereins noch auf den Bäumen lebte. 😉 Der Magnetkompass kam nach seiner Erfindung in China erst knapp 800 Jahre später nach Europa. Die Druckkunst von Herrn Bi Sheng ist unserer Wahrnehmung weniger gegenwärtig als die Geschichte eines Schulbücher bewohnenden Johannes Gutenberg gute 400 Jahre später.

Meiner Jugend Begeisterung für Kung Fu Filme auf VHS kannte nahezu durchweg chinesische Namen: Chackie Chan, Yuen Biao, Sammo Hung und natürlich Bruce Lee. Irgendwann um 1982 herum sah ich erstmals Chia-Hui Liu in „Die 36 Kammern der Shaolin“ (OT: 少林卅六房 少林三十六房). Lius Ausbildung durchläuft die Kammern und in der 35. Kammer stellt er fest, dass sein Wissen um den Buddhismus noch nicht ausreicht. Mag es hier das erste Mal in meinem Leben gewesen sein, dass ich vom Buddhismus hören durfte.

Interessanterweise kam der Buddhismus schon kurz nach der Zeitwende auch in China an. Gute 600 Jahre später, zur Zeit der Tang-Dynastie, waren die Lehren Buddhas in China allgegenwärtig. Die Benefits des Yoga, des Hinduismus und buddhistischer Lehren wirken vereint als unserer Herzen Medizin. Der guten Lehren Verbreitung bis hin nach Japan sollte schließlich das Shaolin Kloster im Ort Dengfeng dienen. Aus dem dort erkorenen Chan-Buddhismus, Chan kommt vom Sanskritwort Dhyana, keimte der später in Japan für alle Zeit manifestierte Zen-Buddhismus. Warum nur beschleicht mich das Gefühl, das schwerlich etwas Vergleichbares der zukünftigen Menschheit entspringen wird?

Glasnudeln, Champignons und Tofu

Das ist nicht unser erster gemeinsamer Halt fern der Heimat. Insofern gerät dir unsere neue Suppenmanie und ihre heutige Fortsetzung kaum zur großen Überraschung. 🙂

Eine schnelle Köstlichkeit von der Herdplatte nach diesem Rezept stimmt dich ein auf die kommenden Wonnen unseres Reisetages jenseits der Großen Mauer. Die Schwere unserer Gegenwart löst sich mit jedem Löffel. Solltest du keine Shitakepilze mögen, so wie wir, dann nimm auch du die freudig in die Bresche hüpfenden weißen Champignons.

Asche ist reines Weiß (OT: 江湖儿女), China 2018

Qiao ist eine Gangsterbraut, wenngleich sie in Bin keinen Resonanzkörper ihrer Sehnsucht findet. Das wird ein Leben lang so bleiben. Loyalität trifft auf Verrat, Tränen perlen von himmelschreiender Gleichgültigkeit und Verzeihen bedeutet längst keine Abbitte. Dieses kleine filmische Epos in seiner ureigensten wie auch universellen Schilderung unerfüllter Liebe geht am Ende doch auf.

Langsam erzählt sich die Geschichte. Zunächst stößt die langsame Erzählweise auf unsere Sehgewohnheiten westlicher Prägung, aber nur anfänglich ist da eine Ahnung von Verstimmung. Dann schließlich geht die Rechnung auf: Die Hässlichkeit der mit der Arbeit ziehenden Malochersiedlung, die Hässlichkeit der Menschen im Umgang miteinander, die Hässlichkeit durchweg im Alltag der Menschen sorgt erst für das geistige Bühnenbild. Leistet Vorarbeit für ein Ensemble aus kleinen Skurrilitäten wie Wetbewerbstänzern im Staub und einer Gewaltexplosion vor gleichgültigem Ausgehpublikum.

So leiden wir mit Qiao, rechnen ihr Schweigen dem Glauben an die Liebe an, werden ihrer Unterwerfung im Gefängnis Zeuge. Verraten, verhöhnt und ungeliebt bleibt sie für alle Zeit unsere stille Heldin dieses typischen Films der chinesischen Gegenwart. Kein Feel-Good Movie, keine Komödie, sondern in Bildern gegossene Tristesse voller paffender harter Menschen. Einzig die Musik und der Tanz gewähren des Films zwei funkelnde Momente in jener tiefen Lebensödnis seiner Figuren. Der Film ist anders und allemal sehenswert.

Pancakes mit Frühlingszwiebeln

China und Backofen, da wollten uns keine Ideen kommen. Gottlob schenkt uns das Internet dieses in höchstem Maße nährende Hüftfüllerchen. Vermutlich ist das sowenig chinesisch wie Homer Simpsons Eignung als Sicherheitsinspektor in Charles Montgomery Burns‘ Kernkraftwerk.

Sei es drum, dieses Rezept führt dich wie uns zu großem Glück, wie es nur durch Erreichen des letzten Lochs in deinem Gürtel noch gestoppt werden kann. Herrje, was scheint der Teller Anfangs doch übervoll. Und wie bizarr das Erstaunen hinterher gerät, ob der eigenen Verfressenheit. 🙂

House of Flying Daggers (OT: 十面埋伏), China 2004

Ausgerechnet in der weiter oben erwähnten Tang-Dynastie ist der im Kern simple Plot von Täuschung und verschmähter Liebe beheimatet. Ein Triumvirat dreier Schicksalsgefährten wird zerrieben im Konflikt zwischen der Rebellengruppe „Haus der fliegenden Messer“ und der Polizei. In aller Konsequenz ist das Ende dieses Juwels moderner Kampfkunstfilme nichts anderem als der Poesie verpflichtet. Und so endet der Streifen auch mit Blut und Tod seiner willfähriger Akteure im Spiel ihrer Herren.

Die wenigen Locations aus Freudenhaus, Polizeistation, Wald und offenem Feld stützen die Ereignisfolge. Nur Bestes aus historischem chinesischen martial arts movie hat es ins Werk geschafft. Die drei Hauptdarsteller Zhang Ziyi, Takeshi Kaneshiro und insbesondere Andy Lau als wahrer Liebender sind eine kolossal gute Besetzung. Die Kostüme, die Klänge, die Farben und Momente voller magischer Ideen geraten mitunter zum atemraubenden Filmgenuss. Genieß auch du mit diesem Meisterwerk allerfeinstes Kung-Fu-Märchen!

Letztlich interpretiert „House of Flying Daggers“ das Gedicht Jiārén Qū (佳人曲) aus der Tang-Dynastie:

Schönheit des Nordens, außergewöhnlich und unabhängig
Ein Blick bannt Mensch und Stadt, weiterer Blick alle Herzen im ganzen Land
willst nicht wissen von fallender Stadt und Land im Bann
Solch Schönheit rar im Land

Vegane Ente an süß-saurer Soße und gebratenen Mie-Nudeln

Draußen im Land gibt es reichlich Menschen, welche uns Veganer mit sehr sinnhaften Gedanken konfrontieren. Wie etwa, dass ständiges Verspeisen von wurstförmigen und schnitzelartigen pflanzlichen Alternativen den Fehler im Vegansein offenbarten. Oder, so heißt es, wir Veganer suchten ständig nach Fleisch, trauten uns nur nicht richtig. 🙂

All diesen Menschen werde jetzt Kanonenfutter für zukünftige Verbalattacken zuteil: VEGANE „Ente“ aus der Dose. Siehe Fotos. Gibt es im Onlinehandel für kaum zwei Euro die Dose. Es gibt bestimmt gesündere Nahrungsmittel, aber es ist witzig. Verrückterweise ist sogar die porige „Haut“ nah dran am Original. Das kann man nur mit Humor nehmen und mit einem Schmunzeln verdrücken. Im Übrigen schmeckt das Dosenglück wirklich ordentlich.

Dabei dann bittschön süß-saure Soße nach diesem Rezept. Geadelt wird das Leckerli von in Sesamöl und Knoblauch geschwenkten Mie-Nudeln. Holla die Yogafee ist das lecker! Dazu eine Tasse Yogi-Tee oder ein Glas Wein. Letztlich bleiben wir Marionetten an den Fäden unserer Schwächen. 🙂

So leben wir auch mit diesem köstlichen Mahl Ahimsa. Gewaltlosigkeit in ihrer urtümlichsten Ausprägung durch jene bewusste Entscheidung, dass unsere Nahrung nicht aus dem Leid denkender und fühlender Geschöpfe entstammen soll.

Nächster Halt unserer Weltreise: Spanien

Im Zielcomputer unseres klimaneutralen Reisegefährts ist die Reiseetappe der nächsten Woche längst einprogrammiert. Sei auch du mit uns in España. Erlebe Süppchen, Kuchenknusper und warmköstliche Wonne am Abend bei filmischer Kurzweil. Und in der Zeit dazwischen prüfe stets, wo du stehst. Lebe Ahimsa mit deinem Herzen und mit deinen Worten. Gegenüber allen Menschen. Gerade jetzt.

Vorheriger ArtikelCineastisch-vegane Weltreise: Indien
Nächster ArtikelPaella vegan à la gurunest
Ich bin Eddi, ein in den frühen Siebzigern in Bosnien-Herzegowina geborenes und mittlerweile sehr spirituelles Exemplar Mensch. Der Website gurunest.com diene ich als Co-Autor und dem Gurunest Podcast als Sprecher. Die gemeinsame Schnittmenge zwischen meinem alten und meinem neuen Leben sind meine Ehefrau Melanie und unsere zwei erwachsenen Söhne. Aber sonst haben sich die Dinge mittelprächtig radikal verändert. Früher noch bestanden meine intellektuellen Interessen vorwiegend aus Computern, Computernetzwerken, Raumfahrt und Wissenschaftsgeschichte. In dieser Zeit waren für mich die Worte "Esoterik" und "Spiritualität" noch klar negativ besetzt. Dann passierten drei Dinge mit größtem Veränderungspotential in meinem Leben: Zunächst mit dem Veganismus, dann mit den Lehren Buddhas fand ich zum Mitgefühl. Dann folgte Yoga. Das Yoga führte zur Antwort auf alle Fragen.

Kommentiere den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here