Allesamt weilen wir im zweiten Jahr weltweiten Dramas. Laut Nachrichten ist das Leben da draußen immer noch lebensbedrohlich und laut Werbeclips der Regierung sind wir nur drinnen sicher. Faul auf dem Bett, mit Pizza und Kartoffelchips. Ganz so schlimm wollen wir es im Gurunest nicht kommen lassen. Gesund bleibt für unser Dafürhalten allein die Gemeinschaft, eine vorwiegend pflanzenbasierte Ernährung, Yoga, das intensive yogische Atmen (Pranayama), die Bewegung in der Natur, körperliche Nähe und insbesondere die Absence von Angst. Aber jene Furcht ist momentan tonangebend in den Gassen unserer Herzen. Der Geist krankt, Mutanten huschen durch unsere Fieberträume. Fraglos wird es ein Erwachen geben. Bis dahin soll es gelten, das Beste aus der Situation zu machen.

Konzepte gegen die Tristesse

Zum Erhalt auch geistiger Gesundheit gibt es einiges zu erzählen. Dauerhaft angst-sensationelle Hiobsnachrichten schaden dir, lass dich bitte nicht dergestalt konditionieren. Schau, dass du möglichst viel draußen bist und nebst gesundem Essen auch ein wenig Vitamin B12, Vitamin D3 und Magnesium ergänzt. Im Häuslichen ziehe das Erlernen einer Sprache oder den Erwerb einer beliebigen anderen Kompetenz dem 24/7-Konsum medialer Angstmache vor. Geht es dann in die Richtung des Entspannens, des Sich-berieseln-lassens, dann haben wir da einen Tipp vielleicht auch für dich. Lass dich vom Gurunest herzlichst einladen zur Nachahmung der cineastisch-veganen Weltreise! 😉

Gutes mit Gutem verbinden

Ist das tägliche Yoga vollzogen, die Meditation bewerkstelligt, die Hütte geputzt, eine Kleinigkeit gelernt, dann bleibt immer noch viel vom Wochenendtag. Am Konsum guter Filme und Serien ist sicher nichts verkehrt, ebensowenig am Genuss leckerer veganer Speisen; so der Konsens bei uns hier. Und so ward sie geboren, die Idee von der plüschigen filmliebhaberisch und genussvoll vegan geprägten Fortsetzungsreihe. Südfrankreich, sehnsuchtsvolle Ruhestätte unserer Herzen, war selbstredend der Startpunkt der kulinarisch cineastischen grand voyage.

Vielleicht ahmst du das Unterfangen für dich nach. Immerhin locken ab Beginn deines Vorhabens die Vorfreude auf dein nächstes Wochenende und ein Lächeln bereits beim Einkauf der noch fehlenden Zutaten. Dann, am Tage deiner Reise, sollen vegane und filmische Leckerbissen deiner Seele Trost und deines Geistes Freude werden. Du wirst sehen, in freudvollen zuversichtlichen Momenten verblassen schlechte Märchen, von der Mär um Mutanten und Verderb bleibt nur noch in der Sonne tanzender Staub.

Heute wie in den nächsten Wochen werden wir bereits vorausgefahren sein. Die von uns aufgestöberten und zum bereisten Land passenden veganen Rezepte werden wir bereits gekostet haben. Mit einigen Fotos wollen wir aufwarten und unsere Gaumen sollen dir freudig Bericht erstatten. Die von uns einhundertprozentig nach rein subjektiven Kriterien ausgewählten filmischen Leckerbissen sollen dann inhaltlich, nebst der unerlässlichen Einfärbung Eddis spiritueller Interpretation, ebenso kurz vorgestellt werden und zum „Nachschauen“ anregen.

Vorweg ein gutes Süppchen: Tortellini-Suppe

Nur französisch angehaucht und doch délicieux. Heiß und mit schönem Aroma von Fenchel und Brokkoli speist es sich wohlfeil und ein nicht zu voller Magen wird auf Yves Montand, Gérard Depardieu und einen famosen Daniel Auteuil eingestimmt. Das hier zu findende Rezept hat uns ganz erstaunt gemacht ob der Tatsache, dass die Romatomaten nur geviertelt werden. Welch ein köstliches Ergebnis auch dadurch entsteht. Liebe Freunde, das gibt die volle yogische Punktzahl! 🙂

Jean de Florette, Frankreich 1986

Großes Kino aus Frankreich, basierend auf einer bestmöglichen Umsetzung der literarischen Vorlage L’Eau des collines (Die Wasser der Hügel). Ein Blick in des Menschen ureigenste Niedertracht und dem nur scheinbaren Profit des Unlauteren. Für sich genommen ist Teil 1 der Romanverfilmung die Eskalation von Schuld und schlechtem Karma.

Im nahe der belgischen Grenze gelegenen Crespin gibt der Steuerbeamte Jean Cadoret sein sicheres Leben auf. Seine Erbschaft vom großzügig bemessenen Land mitsamt Bauernhaus im 1000 Kilometer entfernten Bastides Blanches verheißt „Jean von Florette“ Glück. Das sonnenverwöhnte ländliche Idyll gerät dem herzensguten Lebenstrunkenen zur Mutter aller Träume vom besseren Leben. Die überglückliche Aimée folgt ihrem Mann geladen mit Optimismus, währenddes die kleine Manon tapfer ihrem neuen Umfeld begegnet. Ein kaputtes Dach? Egal. Ein kleines Büchlein als einzige Anleitung zur Bewirtung des Bodens und zur Kaninchenzucht? Egal. Der bucklige Jean kennt nur die Zuversicht, das Untermauern der Hoffnung durch Streben.

Der vermeintlich gute Nachbar, die helfende Hand, Mahner wie vermeintlich Ratgeber, der jungfräuliche Freier, die einzig verbliebene Hoffnung seines Onkels César „le Papet“ Soubeyran, der Schuft Ugolin, soll schließlich Jeans Lebenstraum Gegenspieler werden. Eigensucht und Verschlagenheit lassen des nachbarlichen Erben Sehnsucht zum Untergang geraten. Und so bleibt für mich die Bildgewalt jenes heißen Sommers dort in den Hügeln unvergessen. Ein schier unsichtbarer Ugolin, beobachtet Jean bei endloser Qual. Gleich einem Sisyphos und dessen ausweglosem Leid beiwohnender Persephone. Nicht ohne Grund ist dieses Meisterstück besten Kinos voller Parallelen und Analogien nicht nur zur altgriechischen Mythologie, sondern gelungenstes Schauspiel ob der Kernaussagen nahezu aller religiösen Schriften wie auch yogischer Lebensanschauung.

Kein Handeln ist für sich gut oder böse. Erst die Einordnung in einen größeren Kontext bildet den Bewertungsmaßstab für Gut und Böse. Welcher tiefe Sinn ist allem Sein und Geschehen zueigen? Die Antwort hierzu liegt in deinem Innern. Einen überdeutlichen Hinweis findest du in Gregory David Roberts‘ Weltbestseller „Shantaram“ verborgen, zu finden am Ende des neunten Kapitels. Jenes Epos kennt eine väterliche Figur des Protagonisten mit Namen Abdel Khader „Khaderbhay“ Khan. Der Pate von Bombay eröffnet in einem Lokal und vor stimmungsvoller Kulisse die Wahrheit, die eine Wahrheit, die Essenz aller Ziele im Yoga, die wahre Essenz aller großen Buchreligionen. Und so wird klar, dass unser Streben nach der abschließenden Einheit Gut und Böse einordnen lässt. Und hier, die Hügel sollen Zeuge sein, wird es am Ende der zweiteiligen Saga auch dem verschlagenen alten Weinbauern Soubeyran glasklar, wenngleich durch die Bitternis seiner Tränen.

Französische Apfeltarte lässt die Untaten von Ugolin und Le Papet fast vergessen

Keine große Sache, die Zubereitung des dünnen Teigs. Welcher im Übrigen für sich schon zur knusprigen Köstlichkeit gerät, so vom Rand der Form stibitzt. Das unstrittig gefahrlos nachzumachende Rezept überrascht dich mit der Erkenntnis, wie sehr Äpfel und die sanfte Liebkosung von Aprikose miteinander harmonieren wollen. Gut, dass die im Gurunest verwendete Backform so lütt war, sonst wäre ich noch vor der Vollendung dieser Zeilen geplatzt.

Manons Rache (OT: Manon des sources), Frankreich 1986

Im Ideal wird die Fortsetzung großen Kinos aus Frankreich, „Manon des sources“, unmittelbar nach dem nur vorläufigen Triumph des unseligen Gespanns aus César und seinem Ziehsohn geschaut. Unterdes kann das nachfolgend gezeigte Hauptgericht mit Baguette serviert werden.

Wenngleich die Dorfbewohner die Nichteinmischung tradiert haben, dem Schwelen von Unrecht können auch sie nichts entgegensetzen. Die zur wilden Schönheit gereifte kleine Manon wird so des Munkelns ob der boshaft verborgenen Quelle gewahr. Ihr Durchblicken einer Tragödie ohne Not, einer nachbarlichen Verrufenheit ohne Ethos, entfacht das Schwelen zum vernichtenden Feuer der Rache.

So wie es sein soll, obsiegt das Gute. Zwischendrin wird leise die Klaviatur aller Menschlichkeit gespielt. Mag es jener sommerheiße Mikrokosmos des Dorfes und seiner ihn umgebenden Hügel sein, bei Weitem entwächst die Umgebung der Handlung ihrer kleinen Statistenrolle. Ob der komische Humor bei der christlichen Prozession, möge das Rinnsal wieder fließen, oder der allgegenwärtige Dreck im Antlitz des Ugolin, diese Bilder vergessen sich nimmermehr. Gottseidank bleibt uns der Gestank von Césars grundsätzlich in Alltagskleidung schlafendem Neffen erspart. 🙂

Vier Stunden Epos mit einem guten und einsichtsvollen Ende. So soll es sein. Und das wird auch für unsere aktuell gelebte Situation so kommen. Das Böse, und nur Menschen können böse sein, wird offenbar und am Ende wird alles gut. Oscar Wilde wird der Satz zugeschrieben, doch wunderbar hat es der windige und von Dev Patel so wunderbar gespielte Hotelmanager Sonny Kapoor in „Best Exotic Marigold Hotel“ gesagt: „Am Ende wird alles gut, und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“ 

Champignons à la grecque stärken die Nerven für die Geschehnisse rund um Bastides Blanches

Das von hier bezogene Rezept für Champignons à la grecque ist an sich simpel, nur braucht es Zeit. Einige Stunden köchelnder Leidenschaft. Belohnt wird das mit auf der Zunge tanzenden Aromen und Juwelenfunkeln in deinen Geschmacksknospen. Mach es wie wir und garniere die leckeren Pilze fanzösischer Zubereitungsart mit der Reisplatte französische Art. Erfahre selbst den wonnigen Knusper aus Reis, Mandeln, Lorbeer und Wacholder.

Nächster Halt unserer Weltreise: USA

Unsere nächste Station werden die Vereinigten Staaten von Amerika sein. Mach dann mit uns Halt in den USA, make america great again. 🙂 Wir werden auch für dich zwei wunderbar verrückte Filme sondieren und lecker veganes Schlemmen mit Lokalkolorit zelebrieren. Versprochen!

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Du selbst musst der Wandel werden, welchen du in der Welt sehen willst. (Mahatma Gandhi)

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