Während der Feiertge und jener Tage dazwischen bleibt nicht nur Zeit für die yogische Asana-Praxis und leckere vegane Menüs mit Freunden, sondern auch die Technikleidenschaft findet Zeit und Raum zum Schmökern und Staunen. Mein erster eigener Computer war ein Commodore 64, ausgerechnet im orwellschen Jahr 1984. In meinem Floppy-Laufwerk 1541 war eine Mikroprozessor vom Typ MOS Technology 6502 verbaut und im C64 selbst tat die Variante 6510 CPU ihren Dienst.

Auch von euch tapferen Computer-Afficinados da draußen dürften noch so einige im Keller oder auf dem Dachboden (dort hoffentlich gut eingetütet) entsprechende Steinchen vorhalten. Verbaut im Commodore VC 20 oder – natürlich – im C64 – ruht das seelige 6502 CPU-Design, welches für viele von uns den Einstieg in den Computerwahnsinn bedeutet hat.Da hockte man vor knapp dreißig Jahren bis um drei Uhr in der Frühe vor dem C64, obgleich in wenigen Stunden Schulbeginn war. Mit ausgetrockneten Augen saß man vor dem Bullauge des kleinen Röhrenfernsehers (wer hatte schon einen Commodore 1802 Farbmonitor?) und bastelte endlos am Basic-Spaghetticode oder feilte tapfer an den ersten Assembler-Gehversuchen. Selbstredend mit einem aufgeschlagenen Data Becker Buch und etlichen 64er-Ausgaben auf dem Tisch, denn das World Wide Web sollte erst ein Jahrzehnt später erfunden werden.

Die wenigsten IT-Frühzeitler unter uns haben im zweiten Jahrzehnt des Folgejahrtausends noch immer Ihren 8-Bit-Rechenknecht produktiv im Einsatz. Obgleich ich da natürlich welche kenne, die da IRC auf dem 64er machen (!) oder, einem süßen Ritus folgend, an jedem Sonntag ein halbes Stündchen Giana Sisters auf originaler Hardware zocken
Nun denn. Auch wenn wir in anderen Zeiten und Leistungssphären angekommen sind, so bleibt die 6502-Proezssorfamilie insofern wertvoll, als dass man diese Technik noch gut verstehen lernen kann. Die hiermit erworbenen Kenntnisse über die Vorgänge in der CPU zur Laufzeit der Software sind durchaus auf heutige Prozessoren übertragbar. Die aktuellen Boliden nämlich sind imstande, den lernfreudigen Geek mit ihrer Integrationsdichte und der schieren Komplexität in einen lähmenden Zustand eines Gefühls persönlichen Unvermögens zu versetzen. 😉

Machen wir es doch allein mal an der Zahl der beinhalteten Transistoren fest. Der MOS 6502 wurde ab 1975 vermarktet. „Lediglich“ 4528 Transistoren mit einer Strukturgröße von 8000 Nanometern bzw. 8 Mikrometern taten ihren Dienst. Und das, liebe Freunde vom GURUNEST, das ist noch verstehbar und fix lernbar. Gaaanz anders und mit höheren Zugangsschwierigkeiten nimmt sich demgegebenüber beispielsweise ein AMD Ryzen 9 3900X mit insgesamt 9890000000 (jawoll: knapp 10 Milliarden) Transistoren aus. Und das bei einer Strukturbreite von 7 Nanometern (jawoll: 10-9m). Nur mal so zur Erinnerung: Der für unser Auge sichtbare Teil des elektromagnetischen Spektrums beginnt bei 380nm. Also ich kann mir nicht helfen, so normal die Dinge geworden sein mögen, die Begeisterung ob des Fortschritts wird bei mir nie nachlassen.

Ich will es kurz machen und zum Kern dieses Artikels vordringen, welcher eine Empfehlung für ein beeindruckendes Webprojekt sein soll: Wenn man den MOS 6502 hernimmt, dann in einem maximal-fummeligen handwerklichen Prozess Schicht für Schicht abschleift, zwischendrin alles hochauflösend fotografiert, im Anschluss mit den gewonnenen Daten die GESAMTE Funktionalität und gewissermaßen die Physik des kleinen Schätzchens versteht und in JavaScript abbildet, dieses dann auf einen Webserver unter der Domain visual6502.org packt, damit alle Wissbegierigen dieser Welt mit ihren HTML5-fähigen Browsern den MOS6502 forensisch und archäologisch Takt für Takt studieren können, dann garantiert das ganz sicher eine Reservierung für einen Premiumplatz im Hackerhimmel nach dem Diesseits.

Wie schön auch, dass die hochgesteckten Ambitionen ebenfalls vor dem Motorola 68000 nicht halt machen. So hat etwa das CPU Shack Museum einige 68000er an das Viusal 6502 Project geschickt und die haben Ihre hohe Kunst auch dem Herzstück des Amiga 500 und Atari ST angedeihen lassen. Die Ergebnisse sind hier zu bestaunen.

Netz-Projekte wie Visual6502 sind imstandte, mir und euch ins Gedächtnis zu rufen, von welchem Wert das Internet sein kann.

Melanie und Eddi wünschen Euch einen Guten Rutsch und ein Jahr 2020 voller Frieden und Bewusstheit!

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Ich bin Eddi, ein in den frühen Siebzigern in Bosnien-Herzegowina geborenes und mittlerweile sehr spirituelles Exemplar Mensch. Der Website gurunest.com diene ich als Co-Autor und dem Gurunest Podcast als Sprecher. Die gemeinsame Schnittmenge zwischen meinem alten und meinem neuen Leben sind meine Ehefrau Melanie und unsere zwei erwachsenen Söhne. Aber sonst haben sich die Dinge mittelprächtig radikal verändert. Früher noch bestanden meine intellektuellen Interessen vorwiegend aus Computern, Computernetzwerken, Raumfahrt und Wissenschaftsgeschichte. In dieser Zeit waren für mich die Worte "Esoterik" und "Spiritualität" noch klar negativ besetzt. Dann passierten drei Dinge mit größtem Veränderungspotential in meinem Leben: Zunächst mit dem Veganismus, dann mit den Lehren Buddhas fand ich zum Mitgefühl. Dann folgte Yoga. Das Yoga führte zur Antwort auf alle Fragen.

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