Funktionierende Technik wegwerfen sollte immer das letzte Mittel sein. Verschenken ist eine Möglichkeit, ein Upgrade die goldene Kür! Der vor einem Jahrzehnt erschienene Apple iMac 24″ ‚Early 2009‘ ist im Jahre 2019 ganz sicher kein Leistungskracher. Gefühlt, und vermutlich auch tatsächlich, ist jedes aktuelle Smartphone schneller. Für den Alltag am heimischen Schreibtisch taugt dieser ehemalige Premiumrechner jedoch noch immer. Wenngleich die Geduld ohne weiteres Zutun aufs Äußerste strapaziert werden dürfte, schließlich fordern Browsing auf modernen Websites und deutlich fettere Apps ihren Leistungstribut. Ein kleiner Zaubertrick ist imstande, diese Leiden deutlich zu reduzieren: interne Festplatte raus, dafür eine SSD rein!

Auf dem heimischen Computer ist aus meiner Sicht noch immer die Solid State Disk die letzte wirklich große Neuerung. Verglichen mit den Zugriffszeiten und den erzielbaren Transferraten von sich mechanisch drehenden Festplatten sind die Werte von SSDs schlicht in einer anderen Galaxie angesiedelt. Einem alten Rechner wird mit der SSD spürbar neue Jugend eingehaucht.

Vorsicht mit der Elektrizität! Alles auf eigene Gefahr!

Das in diesem Artikel dargestellte Arbeiten am elektrischen Equipment ist potentiell gefährlich. Selbstverständlich sollte sein, dass vor dem Umbau das Netzkabel vom iMac gelöst werden sollte. Doch selbst hiernach besteht die Gefahr eines Stromschlags, wenn nach Abnehmen des Displays diverse Teile des offenen Netzteils berührt werden sollten. Hier sollte nichts unnötig berührt werden. Die Gefahr wird in diesem speziellen Punkt übrigens gesenkt, wenn zwischen Abnahme des Bildschirms und weiterem Arbeiten ein bis zwei Tage Pause eingelegt werden.

Natürlich führen Arbeitsfehler und auch denkbares Pech zu möglichen Defekten an der Hardware. Deswegen nochmals ausdrücklich der Hinweis: Wir übernehmen für entsprechende Defekte keinerlei Haftung. Dieser Artikel hat reinen Informationscharakter. Lieber Leser, alle Basteleien bei dir geschehen auf eigene Gefahr!

Jetzt aber ab ins Bastelglück

Der finale Weg ins Glück kennt also die Einbringung einer SSD in den iMac. In der hier aufgezeigten Variante entnehmen wir dem iMac 24“ die originäre 1-Terabyte große HDD, welche bislang als sekundäres Laufwerk für Nutzdaten im Mac steckte.

Nach erfolgtem Umbau ist ein zum iMac kompatibles Mac OS zu installieren. Treffe vorher alle nötigen Maßnahmen. Besorge dir also ein entsprechendes Installationsmedium oder fertige es selbst an.

Was benötigt wird

Alle Links der mit einem Sternchen (*) gekennzeichneten Produktempfehlungen sind Affiliate- bzw. Partnerlinks.

Der Alu-iMac mit schwarzem Rücken lässt sich wesentlich leichter öffnen als noch sein weißer Vorgänger im Polycarbonatgehäuse. Dort musste der ambitionierte Bastler noch mit einer Spachtel von hinten im Lüftungsschacht nach unsichtbaren Klammern fischen und innen musste eine Klebung rund um das Display aufgeschnitten werden. Diese Härten sind zum Glück bei der 2009er Generation des iMac ausgestanden und so kommen wir hier doch sehr viel schneller an die interne Platte.

An Werkzeug benötigt wird ein Saugheber, ein Philips #1 Schraubendreher, die meiste Zeit ein Torx T8 Schraubendreher und für den Displaystecker ein Torx T6. Wir nutzten als Glasheber den Mannesmann M99002 Saugheber (*). Dieser ist für das gegebene Vorhaben völlig überdimensioniert, mehr etwas für die Baustelle, aber ! er war bereits vorhanden. Dieser funktioniert, jedoch tut es natürlich sicher jeder kleiner Saugheber. Sogar mit 2 kleinen Saugnäpfen von Spielzeugpfeilen ließe sich das Anheben des Deckglases bewerkstelligen.

Was das Schraubwerkzeug angeht, so ist das bewährte (Torx-) Schraubendreher-Set von Hama (*) eine solide Empfehlung für kleines Geld.

Für den hier modifizierten iMac wurde übrigens eine noch herumliegende alte 3,5″ OCZ SSD verwendet, welche so am Markt nicht mehr verfügbar ist. Aktuelle und laut kurzer Internetrecherche kompatible Hardware sollte die Samsung SSD 860 EVO mit 500 GB (*) darstellen. Soll es mehr Kapazität sein, dann entsprechen die Samsung SSD 860 EVO mit 1 TB (*). Für eine der genannten SSDs braucht es im Kontext dieses Bastelprojekts einen Adapterrahmen bzw. einen 2,5″ auf 3,5″ Adapter. Kostet wenige Euros, so einer (*) sollte der Sache Genüge tun.

Nicht jede SSD / iMac Kombination entspricht der optimalem Kompatibilität zwischen dem NVIDIA MCP79 Chipsatz des iMac 24″ Early 2019 und der jeweiligen SSD. Zwar arbeitet die betroffenen Solid State Disks auf jeden Fall, doch manche Modelle etablieren lediglich den SATA 1.5 Gbit/s (SATA1) Modus. Der Chipsatz des 2009er iMac vermag aber einen Link Speed von 3.0 Gbit/s (SATA2) zu bewerkstelligen. Genau diesen Modus sollte man auch anstreben. Zwar ist alles besser als rotierende Festplatte, doch auch so verschenkte man unnötig Leistung.

Das Öffnen des iMac und der Umbau

Nach dem noch einfachen Öffnen des Ram-Schachtes unten mittels des Philips #1 Schraubendrehers stellt sich dem Umwissenden unweigerlich die Frage, wie das Frontglas mit dem Aluminiumkörper zusammengefügt ist. Geklebt etwa? Nein, ganz anders: Der schwarze Rand des Glases haftet magnetisch am Innenrand des Gehäuses! Mit einem Saugutensil, wie es beispielsweise Glaser benutzen, lässt sich das Glas ohne Kraftaufwand einfach wegziehen. Beim Wegstellen der Scheibe kann der Saugheber ruhig darauf verbleiben. Fingerabdrücke vermeiden!

Jetzt blicken wir auf das Display, welches von 12 Schrauben umgeben ist, die wiederum das vordere Alu-Chassis mit dem Rückteil verbinden. Die 12 werden mit dem T8-Schraubendreher gelöst und bitte irgendwo so abgelegt, dass hinterher jede Schraube der entsprechenden Stelle zugeordnet werden kann. Den vorderen Rahmen nun oben greifen, leicht vom Display wegziehen. Vorsichtig die Mikrofon-Steckverbindung lösen. Der umgebende Tesafilm kann ruhig entfernt werden. Nun den Alurahmen zum Standfuss hin vom restlichen Gehäuse abziehen.

Der nächste Schritt ist der Displaystecker. Dieser wird von zwei T6-Schrauben fixiert. Diese lösen und den Stecker an der schwarzen Zughilfe vorsichtig nach oben abziehen. Nun mit acht T8 Schrauben lösen, welche links und rechts das Display halten. Display dann vorsichtig und nur etwas anheben. Mittig drunter ist nämlich das kurze Anschlusskäbelchen vom Temperatursensor. Diesen kleinen Stecker am Innenleben abziehen. Der andere Kabelstrang links oben kann der Einfachheit halber gesteckt bleibt. Wir haben einfach zu der entsprechenden Seite hin ein Buch hingelegt, ein Küchentuch übers Buch und über den Gehäuserand ausgelegt, und das vorsichtig umgedrehte Display mit dem Schirm nach unten so abgelegt.

Jetzt kommt der einfache Teil: Wir blicken auf die Festplatte. Oben ist auf der einen Laufwerkseite eine Kunststoffschiene gesteckt, welche einfach nach oben (bzw. vorne, wenn im Stand) abgezogen wird. Die vier seitlichen Arretierelemente mit dem T8-Schraubendreher von der Festplatte abschrauben und genau so an der SSD anschrauben. Ebenfalls bitte, und das ist sehr wichtig, den Festplatten-Temperatursensor von der Festplatte abkleben und sogleich auf die SSD an ungefähr derselben Stelle anpappen.

Nun alles rückwärts abwickeln. Bevor das Deckglas wieder übers Display kommt, bitte die Stäube mit Druckluft aus der Dose oder mit einem Blasebalg wegpusten. Wir haben bei dieser Gelegenheit das Preistief für Arbeitsspeicher genutzt und die 4 GB gegen ein für diesen iMac passendes 8 GB Kit von Samsung (*) ‘eingetauscht’ und … voilà!

War vorher schon das Mac OS X auf der SSD, sollte der Mac das erkennen und auch intern davon starten. Ist die SSD neu, dann wisst ihr, was zu tun ist. Für die erstrebte TRIM-Funktionalität ist bitte der kostenlose Trim Enabler zu installieren und einmal auszuführen. Die Mühen lohnen sich allemal. Die SSD als Systemlaufwerk am internen SATA 3 Gbit/s-Bus tut dem iMac richtig gut und der tapfere Bastler hat gutes Karma akkumuliert! 🙂

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Ich bin Eddi, ein in den frühen Siebzigern in Bosnien-Herzegowina geborenes und mittlerweile sehr spirituelles Exemplar Mensch. So passt es ganz prima, dass ich der Website gurunest.com als Co-Autor und dem Gurunest Podcast als Co-Moderator dienen darf. Die gemeinsame Schnittmenge zwischen meinem alten und meinem neuen Leben sind meine Ehefrau Melanie und unsere zwei erwachsenen Söhne. Aber sonst haben sich die Dinge mittelprächtig radikal verändert. Früher bestanden meine intellektuellen Interessen vorwiegend aus Computern, Computernetzwerken, Raumfahrt und Wissenschaftsgeschichte. In dieser Zeit waren für mich die Worte "Esoterik" und "Spiritualität" noch klar negativ besetzt. Dann aber passierten drei Dinge mit größtem Veränderungspotential in meinem Leben: Mit dem Veganismus habe ich mein Äußeres radikal verändert, mit den Lehren Buddhas fand ich zum Mitgefühl und mit dem Yoga habe ich mein Ich mit dem Leben versöhnt.

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