Werbemalerei am Viehtransporter

Auf saftigem grünen Gras unter blauem Himmel wiegen sich verliebt eine Kuh und ein Schwein. Prall der Kuheuter, herrlich fett der Schweinebauch. Breites Menschenlächeln auf beider Tiere Gesichtern. Fünf rote Herzsymbole sind der vollendeten Harmonie Bestätigung.

Diese schmucke Malerei zierte rückseitig den LKW einer Viehhandlung, irgendwo auf der deutschen Autobahn. Das von Melanie geknipste Foto ist vor einigen Wochen auf einer unserer Touren entstanden. Seither beschäftigt mich diese bunte Malerei, diese größtmögliche Täuschung.

Beim Überholen des Viehtransporters konnten wir kurz einige der bemitleidenswerten Schweine sehen. Nach einem kurzen Leben waren diese auf ihrer finalen Fahrt gen Schlachthaus. Sollte es zu diesem Zeitpunkt im Laderaum schon tote Schweine gegeben haben, so hätten wir sie aus unserer Perspektive nicht sehen können. Schweine als intelligente, soziale, fühlende Ich-Wesen quittieren diese letzte strapaziöse wie angstvolle Fahrt in den Tod häufig mit Kreislaufkollaps und Herzinfarkt.

Mit allem Recht dürfen sie fürchten. Schon die Tötung in europäischen Schlachthäusern ist das, was es ist: das Hören von Todesangst, das Riechen von Todesangst, das Ausrutschen auf Blut, die Abwesenheit von irgendetwas, was der abstrusen Malerei auf jenem LKW auch nur ansatzweise gerecht werden könnte. Die gewöhnliche zu schlachtende Kuh sollte dafür beten, dass ihr Kopf richtig fixiert wurde und dass das Bolzenschussgerät auch wirklich korrekt funktioniert. Bei 200.000 Kühen pro Jahr allein in Deutschland geht genau das schief. Traurigerweise ist in Verbindung mit den sogenannten Fehlschüssen häufiger das allgemeine Interesse auf die Fleischqualität gerichtet als auf den grellen Wahnsinn der Geschichte.

Aus der ausführenden Branche ist häufig zu vernehmen, das Tier merke nichts vom nahenden Tod, der bevorstehenden Schlachtung. Dem widerspreche ich entschieden, diese Aussage halte ich schlicht für Blödsinn. Und wäre dem auch so, sagen wir einmal in einer etwas besseren Welt, so wäre die Tierwirtschaft noch immer eine Grausamkeit kosmischen Ausmaßes.

Kühe haben übrigens Hörner. Alle. Vor Jahrzehnten noch war der Anblick von Kühen ohne Hörner kaum zu haben. Heute kennen Städter gar nicht den Anblick von Kühen mit Hörnern. Die Hörner werden den Tieren in ihren ersten Lebenswochen durch einen “Eingriff” entfernt. Grundlage für dieses Tun ist die Maximierung des Profits. Die artikulierte Steigerung der Sicherheit folgt implizit der Ertragsmaximierung. Manche sagen, die Kühe leiden den Rest ihres Lebens am Wundschmerz. Es soll nicht verwundern, denn Kühe brauchen ihre durchbluteten Hörner, welche von komplexer Verbindung mit dem Tierkörper sind, einschließlich des Verdauungssystems. Des Weiteren haben Hörner im sozialen Miteinander der Kühe eine wichtige Rolle. Zudem halten Hörner, das übrigens eine recht junge Entdeckung, den Kopf der Kuh kühl. Was nur maßt sich die Menschheit an?

Exportiert der Truck die Tiere gar ins außereuropäische Ausland, dann kennt die Verachtung des Lebens in diesen Drittländern beileibe noch weitere Grenzverletzungen. Den erschöpften Tieren werden durch Kräne, Gabelstapler und Tritte die Gelenke gebrochen. Menschen durchschneiden mit scharfen Messern hinterrücks die Sehnen an den Beinen, Augen werden ausgestochen. Auch jenes Fleisch landet übrigens am Ende gern auf deutschen Tellern.

Tierische Lebensmittel und Kleidung aus Teilen von Tierkörpern sind das Produkt und die Ursache von Leiden epischen Ausmaßes. Das ist unserer feste Überzeugung. So entziehen wir uns als vegan lebende Menschen sehr entschieden der Teilhabe an diesem größten Unrecht unserer Zeit.

Wenngleich die Veganszene gern von einem sich beschleunigendem Systemwechsel zugunsten der pflanzlichen Ernährung tagträumt, so mögen wir nicht dran glauben. Das verhöhnende Bild an diesem LKW, an anderer Stelle die Coolness neuesten Grillzubehörs, altbekannt die “gute Butter” und die verbreitete stille Aberkennung allen Lebensrechts jenseits unserer Art bestätigen unseren Unmut.

Hingegen glücklich stimmt Melanie und mich, dass unserem Tun, unserem Veganismus, schon einige Menschen gefolgt sind. Andere grübeln noch und essen währenddes weniger Fleisch, Fisch und Milchprodukte. So soll es sein. Zeige auch du Mitgefühl mit allem denkenden und fühlenden Leben!

Ich danke dir für deine Zeit! Abschließend möchte ich dir noch eine wichtige Frage mit einer passenden Folge des GURUNEST Podcast in universeller Güte beantworten: Sind Veganer die besseren Menschen?

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Ich bin Eddi, ein in den frühen Siebzigern in Bosnien-Herzegowina geborenes und mittlerweile sehr spirituelles Exemplar Mensch. So passt es ganz prima, dass ich der Website gurunest.com als Co-Autor und dem Gurunest Podcast als Co-Moderator dienen darf. Die gemeinsame Schnittmenge zwischen meinem alten und meinem neuen Leben sind meine Ehefrau Melanie und unsere zwei erwachsenen Söhne. Aber sonst haben sich die Dinge mittelprächtig radikal verändert. Früher bestanden meine intellektuellen Interessen vorwiegend aus Computern, Computernetzwerken, Raumfahrt und Wissenschaftsgeschichte. In dieser Zeit waren für mich die Worte "Esoterik" und "Spiritualität" noch klar negativ besetzt. Dann aber passierten drei Dinge mit größtem Veränderungspotential in meinem Leben: Mit dem Veganismus habe ich mein Äußeres radikal verändert, mit den Lehren Buddhas fand ich zum Mitgefühl und mit dem Yoga habe ich mein Ich mit dem Leben versöhnt.

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