Vom Streuerfolg veganen Vorlebens

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So gibt es sie doch noch, die positive Beeinflussung unserer Mitmenschen durch das eigene vegane Leben. Im Gemenge verschiedenster Reaktionen sind die Funken des Hoffnungsvollen mal hier und dann mal dort ganz deutlich zu sehen.

Mein Alltag mit Entrüsteten

Schulterte ich rein emotional meine Alltagserfahrung mit den nicht-veganen Menschen, welche ob meines Systembruchs lustigerweise nie einen neutralen Standpunkt bekleiden, quantifizierte ich ständig meine Positiv- wie Negativerfahrungen, so käme ich aus dem Jammertal wohl nimmermehr.

Spreche ich von der Neutralität der Gesprächspartner, so meine ich deren innere Haltung, welche nicht mit der äußerlich wahrnehmbaren Haltung konform gehen muss. Tatsächlich erlebe ich deren immergleiches Repertoire von intersubjektivem Fehlwissen und der Absenz von grundlegenden Kenntnissen über die Ernährung.

Da machen wir jetzt aber ein Fass auf. Sammlungen von Anti-Veganer-Sprüchen gibt es zuhauf im Netz. Darum an dieser Stelle nur einige von mir gehörte witzige Sätze der letzten Zeit, ergänzt durch Evergreens:

  •  „Mein Bluttest ist immer perfekt. Ich wurde sogar von meinem Arzt gelobt.“
  • „Vegan? Rein pflanzlich? Aber Eier und Käse isst Du doch natürlich?“
  • „Ohje! In meinem Bekanntenkreis ist kürzlich erst jemand gestorben. Der sich vegan ernährt hat. Als der zum Arzt kam, konnte dem niemand mehr helfen. Es war zu spät.“
  • „Dann fehlt Dir Protein. Die gibt es in der Menge nur in tierischen Lebensmitteln. Du kannst ohne das keine starken Muskeln aufbauen.“
  • „Mache ich ja zuhause, wo es nur geht. Aber auf der Arbeit / bei meinen Eltern / beim Ausgehen mit Freunden / auf der Hochzeit nächste Woche, da muss ich ja normal essen.“
  • „Setz dich. Ich muss Dir etwas sagen, Du wusstest es noch nicht. Du wirst sterben! B12 fehlt Dir als Veganer. Das gibt es nur im Tier. Deswegen wirst Du leider über kurz oder lang sterben.“
  • „Würden alle Menschen nur Pflanzen essen, so viel Ackerfläche hatten wir gar nicht auf dem Planeten.“
  • „Ich habe lange daheim darüber nachgedacht, was Du denn überhaupt essen darfst. Mir sind eigentlich nur Kartoffeln und Auberginen eingefallen.“
  • „Du kannst machen was Du willst. Aber ich kann und will auf meinen Käse und mein Fleisch nicht verzichten.“
  • „Wenn wir die Tiere nicht essen würden, wo sollten die denn hin. Die würden sich ja massig vermehren und rumlaufen.“
  • „Ja, das ist Deine Meinung. Aber wenn ich wirklich etwas zum Theme Nahrung wissen will, dann rufe ich meine Freundin an, die ist Krankenschwester.“
  • „Unterlass bloß den Versuch, mich missionieren zu wollen!“

So stellt sie sich leider dar, die Welt in der wir leben. Es entwiche jede Hoffnung aus mir, ließe ich es denn zu. Die Leute warten auf mit Marketinghülsen, Fehlannahmen und allen Schattierungen von Aggression. Mag daraus die Furcht vor veganer Missionierung erwachsen.

Ein gutes Vorbild abgeben reicht aus

Allerdings braucht es gar nicht die robuste „Missionierung“. Meine Langzeiterfahrung mit den Zweiflern ist mittlerweile immer wieder prächtig. Einmal aus der Bahn geworfen, rappeln sich die Delinquenten auf und erfinden sich neu. Da gibt es jene, welche sich überraschenderweise plötzlich durchweg vegan oder zumindest vegetarisch ernähren. Jene neuen Mitstreiter, die nun ihrerseits andere Leute aufklären. Solche Leute, die auch mal Danke sagen, weil Sie über all das nachgedacht haben und auf einmal einen Weg sehen, Ihre Gesundheit zu verbessern, ihr Leben zu verlängern und aus dem großen ethischen Dilemma auszubrechen.

Einsichten brauchen ihre Zeit

Denkprozesse brauchen Zeit. In diese Tierqualwelt hineingeboren, wird man von kleinauf indoktriniert. Jahrzehntelange Beeinflussung und daraus erwachsene fatale Überzeugungen lösen sich nicht binnen eines Atemzugs in Wohlgefallen auf.

Denkprozesse lieben die Aussicht auf ureigene persönliche Vorteile. Die Aussicht auf den erleichterten Gewichtsverlust, zurückkehrende Vitalität und vielleicht einem zweistelligen Extra an Lebensjahren sind nicht ohne Lockreiz. Auch das Richtige zu tun, ist eine nicht zu unterschätzende Motivation. Das leitet wunderbar über in den nächsten Punkt.

Denkprozesse lieben Wahrheiten. Die vegane Lebensweise ist in sich abschließend moralisch und ethisch richtig. Einzig richtig. Manchmal denke ich mir, dass dieser Umstand mit ein Hemmnis für die Sache an sich sein mag. Allesamt haben wir doch ehemals gelernt, dass am augenscheinlich zu guten Angebot etwas ‚faul‘ sein muss. Gestatten sich die Zweifler jedoch die Überlegung, das Recherchieren, die sich hieraus ergebenden Schlussfolgerungen, dann werden alte Wahrheiten als das demaskiert, was sie sind: Lügen. Ärzte sind plötzlich keine Nahrungsexperten und gute Blutergebnisse sind in Wahrheit nur Schulnote 4-. Die von ihren Kindern getrennte und auf ihren Schlachttod wartende ‚glückliche Kuh‘ vom Biobauern ist doch nicht gut dran. Tierische Produkte entpuppen sich als umständlichste Methode, an die erforderlichen Nährstoffe aus Pflanzen zu kommen. Wer obendrauf Home Sapiens noch als den schädlichsten Faktor für den Planeten im Zeitraum der letzten 150.000 Jahren entlarvt, dem ist der Highscore gewiss.

So geht sie auf, die gute Saat

Dem selbst-denkenden Menschen bleibt nur die Einsicht, dass die vegane Lebensweise für ihn selbst und für die Welt als komplexes Ganzes richtig ist. Den Verdrängungsmechanismen entronnen, bleibt nur dieser Weg. Eine wachsende Zahl von Freunden und Kollegen sind in dieser Transition oder sie haben den Lebenswandel bereits gestemmt.

Das stimmt mich hoffnungsfroh und gibt mir Gewissheit, dass einige meiner hitzigsten Anti-Veganer von morgen am Ende moderne bewusste Menschen sein werden.

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