Die Kuhmilch macht’s. Oder doch nicht?

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Regelmäßig werde ich gefragt, ob ich meine Entscheidung zugunsten der veganen Lebensweise bereue und ob ich etwas vermisse? Nein keineswegs, antworte ich jedesmal. Vermissen tue ich nichts, ganz im Gegenteil! Mein Leben wurde durch diese veränderte Lebensweise bereichert.

Reue gibt es höchstens mit Bezug auf den Umstand, dass ich nicht früher zur veganen Ernährung gefunden habe. Jahre vor meinem Wechsel wurde in meine Familie die Milch zum Thema. Mein Sohn bekam von Milch Bauchschmerzen und hätte ich damals bereits die richtigen Informationen bekommen, um letztlich die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen, dann wäre der Ruck zum veganen Leben deutlich früher passiert.

Wie viele andere Menschen bin auch ich mit dem Wissen aufgewachsen, dass wir die Milch brauchen um gesund und stark zu werden und es zu bleiben. Tierische Milch wird uns zeitlebens mit der Behauptung verkauft, dass sie gut für die Knochen und für die Zähne sei. Von kleinauf hörte ich es überall und so konnte ich nur an diese Legende glauben. Als mein Sohn irgendwann in seiner Kindheit unter unerklärlichen Bauchschmerzen litt, kam der Verdacht auf, eine Laktoseunverträglichkeit könnte die Ursache sein. Zu diesem Zeitpunkt machte ich mir große Sorgen. Aus heutiger Warte blicke ich als Veganerin zurück und nun weiß ich, dass es es sich damals im Prinzip um ein Geschenk und ganz sicher um eine verpasste Chance gehandelt hat.

Stattdessen besorgte ich meinem Sohn zur Verbesserung seiner Situation Laktasetabletten aus der Apotheke. Das geschah auf Anraten des Arztes. Darauf bestätigte mir auch die Apothekerin, mein Sohn könne damit wieder Milch und Milchspeisen essen und ich bräuchte mir keine Sorgen mehr zu machen. Als junge Mutter hört man auf den Arzt und die ‚kundige‘ Beratung aus der Apotheke, denn die Fraktion im weißen Kittel wird es wohl wissen. So was Verrücktes! Tatsache ist, dass gerade diese Leute mangels fehlender Ausbildung in Ernährungsfragen überraschend wenig Ahnung im Themenkomplex haben.

Mein Sohn nahm diese Tabletten nur für kurze Zeit und hiernach war er beschwerdefrei. Genau hier und mit dieser natürlichen und dankenswerten Abwehrreaktion des Körpers meines Sohnes auf Kuhmilch wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, nach den Ursachen zu schauen und Dinge umzukrempeln, und nicht erst sechs Jahre später.

Man bedenke, der Mensch macht sich ohne Not zum einzigen Säugetier, dass nie abgestillt wird. Ist das nicht einfach unglaublich?

Insofern hat die Milchlobby über Jahrzehnte „gute Arbeit“ geleistet.  Fakt ist, dass Kuhmilch Kälbernahrung ist. Ihre Zusammensetzung ist auf das Wohl des jungen Rindes abgestimmt, das in einem vergleichbaren Maß passt, wie es für Menschenkinder die Muttermilch ihrer eigenen Mutter tut. Des Weiteren enthält die Kuhmilch Wachstumshormone und Proteine in jener Dosis, wie es für das schnelle Heranwachsen des Kalb erforderlich ist. Schnell soll ein großes und starkes Rindviech entstehen. So beträgt beispielsweise die Proteinmenge bei der Kuhmilch 3,5% und bei der menschlichen Muttermilch gerade mal 1,5%.

Bei der Verstoffwechselung des ganzen Proteins werden bei uns Menschen im Körper schwefelhaltige Aminosäuren freigesetzt, welche von unserem Körper zunächst neutralisiert werden müssen. Hierzu muss unser Körper mehr Calcium aufwenden als ihm zugeführt wird.  ACHTUNG, jetzt wird’s richtig spannend: Dieses Mehr an benötigtem Calcium holt sich unser Körper aus unseren Knochen. Je mehr Milch oder Milchprodukte wir konsumieren, desto ungesünder ist es.

Kurz innehalten und reflektieren, wie oft uns die Milchindustrie die große Geschichte auftischt von der Kuhmilch, welche angeblich unsere Knochen stärkt. Das viele Calcium aus der Milch sei unverzichtbar, ohne Milch in großer und regelmäßiger Einnahme sei zudem Osteoporose unser unvermeidliches Los.

Tatsächlich zeigen viele Studien den klaren Zusammenhang zwischen dem Milchkonsum und der Osteoporose. Dies ist besonders in den Ländern zu verzeichnen, in welchen viel Milch und gewohnheitsmäßig Milchprodukte konsumiert werden. In vielen anderen Ländern hingegen wird praktisch keine Milch verköstigt und die Menschen dort haben trotzdem eine hohe Lebenserwartung und keine höhere Rate an Osteoporoseerkrankten.

Wenn der Mensch nie abgestillt wird, dann wird das Enzym Lactase immer weiter in ihm gebildet. Wird der Mensch aber abgestillt, was ein natürlich Vorgang ist, dann wird dieses Enzym nicht mehr hergestellt und so ist die Laktoseintoleranz bittschön nicht als behandlungsbedürftige Krankheit anzusehen.

Ein paar Zahlen zum Verständnis:  93% der Chinesen, 80% der Inuit und 79% der Afro-Amerikaner vertragen keine Milch, was ganz natürlich ist. Etwa 75% der Weltbevölkerung haben diese ganz natürliche Laktoseintoleranz. Es handelt sich hier um abgestillte erwachsene Menschen.

Wenn ich jetzt Bedenke, welche Sorgen ich mir um meinen Sohn gemacht habe, dann hat die Werbung der Milchlobby bei mir genau ins Schwarze getroffen. Eine gigantischer Industriesektor mit Überschussproduktion und alle Bereiche des Lebens durchdringenden Marketingkampagnen hat doch tatsächlich Unmögliches geschafft: die Branche hat die Dinge um 180 Grad in unserer Wahrnehmung verkehrt. Es ist meine feste Überzeugung, dass die Milch eben nicht vor Osteoporose schützt, sie ist eine ihrer wesentlichen Ursachen. Kurz angerissen sei, dass beim erwachsenen männlichen Menschen der regelmäßige Konsum von Milch und Milchprodukten in Zusammenhang mit der Entstehung von Prostatakrebs zu bringen ist (Quellenempfehlungen hierfür sollen die China Study sein und auch der hierauf eingehende Dokumentarfilm What The Health).

Fazit: Finger weg von Kuhmilch, Käse, Joghurt, Quark und Co. Es gibt so viele pflanzliche und gesunde Alternativen. Probiert diese Vielfalt an Produkten aus, steigert eure Gesundheit und euer Leistungsvermögen. Den Umsteigern sei gesagt, dass die pflanzlichen Varianten natürlich etwas anders schmecken, das sind eigene Aromen und man gewöhnt sich sehr schnell dran. Sehr lecker!

Präventiv noch meine Antwort auf die immergleiche Frage „Ja, aber woher bekommen ich denn dann mein Calcium?“: Natürlich in völlig ausreichender Menge aus der ausgewogenen rein pflanzlichen Ernährung. Zum Beispiel ist Tofu ein prima Calciumlieferant! 😉

Zum Abschluss noch ein Vortrag von Prof. Veith, passend zum Thema:

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