Unser Wochenende im veganen Hotel Nicolay an der Mosel

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Ausschließlich vegane Hotels in Deutschland und im Ausland sollen eine Rubrik innerhalb von gurunest.com sein. Rein vegane Hotels gibt sie längst. Derer wird es aufgrund des gesellschaftlichen Wandels und der erfolgreichen Aufklärung hoffentlich immer mehr geben. Wir wollen hier auf gurunest ein wenig über unsere Erfahrungen in diesen Bleiben berichten und im besten Fall Empfehlungen aussprechen.

Uns Privatleuten ist ein Hotel weniger Businessbleibe denn vielmehr Unterkunft für Wanderreisen wie auch Städtetouren mit anhängigem Kulturprogramm. Mittlerweile sucht sich unsere jeweils endgültige Planung einer Tour ihren Ankerpunkt an einer vegan orientierten Unterkunft. So war es auch diesmal mit der Mosel. Die Hotelsuche machte sich nicht am Ort fest, auch nicht unbedingt ob der Nähe zu prächtigsten Wanderrouten. Es galt, kommod in einem bezahlbaren veganen netten Hotel unterzukommen.

Prolog

Unsere aufwendige Suche vorab brachte allein das Hotel Nicolay im Ort Zeltingen-Rachtig zutage. Der wunderschönen Mosel lässt sich gegenwärtig attestieren, dass sie eindeutig unterveganisiert ist. Immerhin ward dieses eine Hotel aufgetan. Im Jahre 1881 gegründet, ist es nunmehr in der fünften Generation familiengeführt.

Das Hotel Nicolay, so konnten wir später vor Ort vom Personal hören, ist seit letztem Jahr konsequent vegan. Jahre zuvor soll der Privatmensch Nicolay vegan geworden sein. Bravo, an den Menschen macht sich der gute Trend fest!

Drei Hoteltage und zwei Übernachtungen später blickt es sich für unsere veganen Herzen weniger ambivalent und vielmehr verdrossen auf unseren Aufenthalt im Hotel Nicolay. Wir fühlen uns enttäuscht und wir werden es für unsere zukünftigen Reiseplanungen nicht mehr berücksichtigen.

Einige Wochen im Vorfeld der Reise gestalteten wir die Zimmerbuchung. Nach der Reservierung erst fanden wir auf der Website des Hotels die Info, dass gegenwärtig ein Umbau stattfindet. Unsere E-Mail mit der für uns ganz wesentlichen Frage, ob wir zum Zeitpunkt unseres Aufenthalts eine Baustelle vorfinden würden, wurde zügig beantwortet. Wir bekamen einen kleinen schriftlichen Status die aktuelle Bautätigkeit betreffend. Es hieß, es gebe Fortschritt in den nächsten Wochen und es werde für uns zu keinen weiteren Beeinträchtigungen kommen.

Bei der Ankunft eine große Enttäuschung

Nach unserem Einchecken erkundigten wir uns beim Personal ob des Weges zum Schwimmbad und der Sauna. Die Rezeption war nicht besetzt, doch wurden wir von einer hilfsbereiten Mitarbeiterin aus dem Küchenbereich angesprochen. Wir bekamen zur Antwort, dass Schwimmbad und Sauna im Umbau befindlich seien und somit in diesen Tagen nicht zur Verfügung stehen.

Eine herbe Enttäuschung. Neben dem veganen Element sind uns das Vorhandensein von Sauna und Schwimmbad sehr wichtig, nutzen wir diese doch teils mehrmals täglich. Jene E-Mail vom Hotel ist vorher von uns derart interpretiert worden, dass zum Aufenthalt alle Einrichtungen nutzbar sind. Dem war leider nicht so. Allein für das Zimmer haben wir in der Summe 218 EUR gezahlt. Mit Blick auf diese Einschränkung und die nachfolgende Gesamterfahrung schmerzt uns die Ausgabe.

Hellhöriges Zimmer mit Verbesserungspotential

Unser Doppelbett-Zimmer im zweiten Obergeschoss öffneten wir mit einem klassischen Bartschlüssel. Das macht laute Geräusche. Die denkbare Konsequenz passierte dann nachts auch, als Flurnachbarn in bester Laune zu ihrem Zimmer heimkehrten und uns sicher ohne Absicht aus dem Schlaf holten. Der Raum an sich war ausreichend groß, das Bad war sauber, auch mein tradierter Kontrollblick unter die Matratze zeigte, dass das Reinemachen betreffend alles in Ordnung ist.

Gibt es allerdings einen Hausmeister, so wäre dessen Einsatz in dem von uns bezogenen Zimmer dringend zu empfehlen. Da waren Fensterbeschläge zu fetten und das Türschloss zum Bad war hakelig und ebenfalls laut. Der Schlüssel war nicht ganz umzudrehen, bereits korrodiert, drehte sich gerne mal in seinem maximal halb abgeschlossenen Zustand zurück und die Tür federte auf, weil auch der Riegel seine Sache nicht korrekt machte. Sollte nicht so sein, denn auch die Zweisamkeit kennt durchaus das Private.

Das Doppelbett selbst steckte mit seinem Ende in einer Art Schrankwand. Als wir voll ausgestreckt auf dem Bett lagen, da befand sich über unseren Gesichtern ein recht tiefes weißes Regal, nicht weit über unseren Gesichtern. Auf diesem Regal kann man kleine Utensilien ablegen und drunter sind zwei kleine Leuchten angebracht, so weit so gut.  Allerdings führt dieses aus unserer Sicht haarsträubende Einrichtungsmerkmal zu zwei gewichtigen Nachteilen: Es lässt sich im Bett sitzen nirgendwo vernünftig anlehnen und nachts darf man sich nicht unbedacht sitzend auf der Liegefläche aufrichten.

Der alte große braune Ledersessel neben dem Bett gehört aus unserer Sicht nicht in ein veganes Hotel.

Der kleine Fernseher mit Bildröhre war weit weg von den Möglichkeiten eines Smart-TV. Für den aufgerufenen Zimmerpreis wünschen wir uns einen modernen großen Flachbildfernseher mit der Vorbereitung für Netflix und Co.. Das haben wir in einem anderen veganen Hotel an einem anderen Ort so gehabt und das finden wir unbedingt nachahmenswert.

Das WLAN war der geringen Bandbreite wegen kaum zu nutzen. Vom Personal war zu hören, dass die Feuerschutztüren die Ursache für den schlechten Empfang sein sollen. Das ließe sich mit mehr Hotspots sicherlich ausmerzen.

Der größte Makel am Zimmer war in unserem Empfinden die Geräuschkulisse. Da waren zu viele Dinge schlicht zu laut. Die Türschlösser, das sehr laute Gepiepe vom Zimmersafe und insbesondere die knarzende Holztreppe. Wir haben mehr als einmal die ‚Erweckung‘ erlebt, wenn andere Hotelgäste die Holztreppe nutzten, um zu unserer Etage zu gelangen. Wir hörten die Leute durch den Flur gehen, die Stimmen drangen sehr deutlich bis zu uns vor, das laute Aufschließen war zu hören, deren Hotelsafe war zu hören. Wir haben uns drüber geärgert.

Wir sind uns dessen bewusst, dass es sich um ein altes Gebäude handelt, 1881 ist der Namenszusatz des Hotels, allerdings verknüpfen wir das gute Hotelerlebnis mit einer gewissen Ruhe auf dem Zimmer. Das haben wir in diesem Fall so nicht erleben können.

Wie wir das Personal wahrgenommen haben

Leider haben die Mitarbeiter des Haus zum Zeitpunkt unseres Aufenthalts keine Namensschilder getragen. So würden wir insbesondere einen Schatz von Mensch lobend erwähnen wollen. Diese Dame mit irgendwie ostdeutschem Akzent ist eine Sympathieträgerin und sie war zweifelsohne der Lichtblick an jenem Ort.

Eine ihrer Kolleginnen wiederum hatte am Tag unserer Anreise sicht- und hörbar Stress. Früher am Tage im Umgang mit unserer einfachen Nachfrage an der Rezeption und später zum Abendessen, als sie uns pflichtschuldig doch genervt die Namen unserer Menügänge herunterleierte. Einen Tag darauf war selbige Mitarbeiterin wieder normal konditioniert und konnte sogar lächeln. Als zahlende Hotelgäste wollen wir keine Stimmungswechsel erleben.

Positiv darf erwähnt werden, dass das Personal stets Hilfe anbot und zum Frühstück wurde sehr nett begrüßt. Kommen wir zum Thema (veganes) Essen.

Unser Erleben der veganen Mahlzeiten

Unser größter Kritikpunkt am Frühstücksbuffet ist das Brot, welches zum Angebot stand. Zu trockenes geschnittenes Brot und teils schon sichtbar zu lang gebackene Brötchen. Andernorts im veganen Hotel haben wir deutlich bessere frisch gebackene Teigwaren vorgefunden.

Obgleich wir nicht zu spät zum Frühstück kamen, blieben einige Teller und Schalen auf dem Buffet während unseres Frühstückens unaufgefüllt. Mitunter kleine Gefäße auf den Selbstbedienungstischen gehen durchaus in Ordnung, aber hier sollte dann regelmäßig geschaut und nachgelegt werden.

Es gab die Möglichkeit, sich frischen Orangensaft zu pressen, Obstsalat war da mitsamt verschiedenen Cremes, Müslis waren zu kredenzen und es gab einige Besonderheiten wie Kartoffelsalat, warm zubereitete Zucchinistücke und derlei Dinge, leider waren diese mitunter ölig. Getrocknete Tomaten zum Beispiel, diese müssen aus unserer Sicht keineswegs in Öl serviert werden.

Insgesamt waren wir vom Frühstücksangebot enttäuscht. Was erwarten wir eigentlich vom Frühstücksbuffet im rein veganen Hotel? Auch hier das Wow-Erlebnis. In der Küche sind doch die Profis. Mit den Geldern soll bittschön gezeigt werden, wie vielfältig vegan gefrühstückt werden kann. Wir zahlenden veganen Gäste wünschen uns auch beim Frühstück Inspiration, was alles geht, wir wollen lecker essen und uns prima Ideen mit nach Hause nehmen. Soviel zum Wünschen.

Das Abendessen betreffend haben wir zwei Varianten erlebt. An einem Abend das vorab gebuchte 3-Gänge-Menü, am Folgeabend die Einzelbestellungen.

Hätten wir weitere Abendgestaltung für die Zeit nach dem Abendessen geplant, dann wären diese wohl terminlich geplatzt. Der Grund: Alles dauerte sehr lange.

Am ersten Abend vergingen vom Servieren der Getränke bis zum Auftischen des dritten Gangs genau zwei Stunden. Zwischendrin war mitunter 45 Minuten gar nichts. Das wurde langweilig, soviel Zeit wollten wir dem Abendessen nicht widmen.

Die von uns genossenen Gerichte waren von sichtbar kundiger Hand bereitet. Geschmäcker sind jedoch sehr verschieden. Fettaugen in der Soße und deutlich zu bissfeste Nudeln mögen letztlich der subjektiven Wahrnehmung zuzurechnen sein. Uns fehlte das  stets gesuchte „Wow-Erlebnis“ und so konnten wir für uns keinen Favoriten ausmachen.

Gelobt werden soll an dieser Stellte der erlebte Einsatz der frischen Kräuter.

Am zweiten Abend verging von der Bestellung der Menüs bis zur derem Auftischen auch mehr als eine Stunde. Nach dem Essen probierten wir 20 Minuten lang, eine der beiden Mitarbeiterinnen zu unseren Tisch zu bekommen. Wir wollten die Rechnung aufs Zimmer buchen lassen und los zum Ufer und zur Weißweinschorle dort. Doch blickten die beiden Damen vom Hotelpersonal nicht ab und an nach links und nach rechts. So sind wir aktiv zur Küche gegangen, um die Rechnungslegung in Gang zu bringen.

Es kam uns begleitend die Idee, nach dem Abendmenü und zum Spaziergang eine Kugel Eis ‚auf die Hand‘ zu genießen. Die Eiskarte des Hotels war in unserem Fall ein kleines Täfelchen mit Nennung der Sorten, leider war der Preis nicht aufgeführt. Das Eis selbst hat uns nicht geschmeckt, es war voller Eiskristalle. Wir haben es unterwegs entsorgt.

Letzte Worte

Das Hotel war für uns somit eine interessante wie einmalige Erfahrung. Bei den Rezensionen auf Google Maps konnten wir sehen, dass andere Hotelgäste ähnliche persönliche Eindrücke erlebt haben.

Gleichwohl wünschen wir dem Hotel ein Bestehen in alle Zukunft. Dinge lassen sich verbessern und das Land braucht vegane und zwar rein vegane Hotels mit vollständig veganer Speisekarte. Ergänzend wünschen wir uns natürlich auch, dass vegane Speisen in der Ausgehkultur etwas völlig Selbstverständliches werden, dieses auch preislich.

Der Bedarf nach dem erforderlichen Paradigmenwechsel auf breiter Front zeigte sich auch bei unserem Ausflug in den etwas größeren Nachbarort Bernkastel-Kues. Nach getaner 3D-Wanderung dorthin (Weinberge rauf und runter) sollte sich zeigen, dass der Veganer an sich an jenen Ort schlicht nicht hingehört. Etwas rein Pflanzliches an diesem touristisch gefluteten Moselort ordentlich zum Mittagessen zu bekommen, das erwies sich als schlicht nicht umsetzbar. Selbst die Salate bestehen dort aus Meeresbewohnern, Landbewohnern und Derivaten von der Muttermilch von Kühen, Ziegen und Schafen. Direkt am kleinen Kreisverkehr gab es immerhin einen orientalischen Imbissbetrieb mit Pommes und gebratenem Gemüse. Das war nicht das Ideal, es stillte den Hunger und das auch nicht für kleines Geld.

In Bernkastel-Kues passierte es uns übrigens auch, dass wir als Veganer eine Tischbedienung ansprachen, mit der Frage, inwiefern man uns Bratkartoffeln vegan zubereiten könnte. Die Dame sagte: „Nein, den Speck kann man nicht weglassen, das ist unmöglich.“ Kurz darauf drehte sie sich unvermittelt um und verschwand im Innenbereich des Lokals.

Vor diesem Hintergrund ist jeder vegane Gastronom dringend dazu angehalten, im Tun weiterzumachen und Feedback stets als positiv und als Vorlage zur Verbesserung wahrzunehmen.

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